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ForschungPferd, Schweizer Evidenzplattform

Methodik.

Diese Seite erklärt, wie wir jede Aussage einordnen: welchen Evidenzgrad sie erhält, wie wir Übertragbarkeit zwischen Arten bewerten, und wo die Grenzen unseres eigenen Systems liegen.

Zuletzt fachlich geprüft

Ein internes Raster, kein Weltstandard

Die folgenden Skalen sind redaktionelle Werkzeuge. Sie helfen uns, Aussagen konsistent zu formulieren und Leserinnen und Lesern sichtbar zu machen, worauf eine Aussage beruht. Sie sind kein validiertes klinisches Bewertungsinstrument und ersetzen keine formale Evidenzbewertung nach etablierten Verfahren.

Evidenzgrade

Interne Evidenzgrade. Massgeblich sind Studiendesign, Übereinstimmung der Befunde, Präzision und Nähe der untersuchten Population zur Fragestellung.
GradWas er bedeutetTypische Grundlage
ABelastbare, übereinstimmende Evidenzmehrere gute Studien in dieselbe Richtung, oder eine hochwertige systematische Übersicht
BModerate Evidenz mit erkennbaren Einschränkungensolide Studien, aber begrenzte Zahl, kurze Dauer oder enge Population
CSchwache oder uneinheitliche Evidenzkleine Stichproben, widersprüchliche Befunde, hohes Verzerrungsrisiko
DMechanistische oder explorative DatenZellversuche, Tiermodelle ohne klinischen Endpunkt, Pilotstudien
EMeinung, Erfahrung, HypotheseFachmeinung, Einzelfälle, unveröffentlichte Beobachtung
NANicht anwendbardie Seite behandelt eine Methode oder einen Begriff, keine Wirkungsfrage

Übertragbarkeit zwischen Arten

Die zweite Skala beantwortet eine andere Frage. Nicht: wie gut ist die Studie? Sondern: für wen gilt ihr Ergebnis? Eine tadellose Studie am Nagetier bleibt eine Studie am Nagetier.

Übertragbarkeitsstufen. Sie beschreiben ausschliesslich, wie weit ein Befund von der untersuchten Art zur Zielart reicht.
StufeBedeutungWas daraus folgen darf
T0Keine Übertragung vertretbarnichts; der Befund gilt nur in der untersuchten Art
T1Gemeinsamer Mechanismus plausibel, klinische Wirkung nicht belegteine Hypothese und eine Forschungsfrage
T2Übereinstimmende Befunde in mehreren Modellen, Zieldaten begrenzteine begründete Erwartung, kein Handlungsschluss
T3Daten in der Zielart vorhanden, aber noch unzureichendeine vorläufige Einschätzung mit ausdrücklichem Vorbehalt
T4Wirkung direkt in Zielart und Zielpopulation geprüfteine Aussage über diese Population, weiterhin ohne Einzelfallempfehlung
NAKein Artenvergleichdie Seite vergleicht keine Arten

Die sechs Dimensionen hinter der Stufe

Die Übertragbarkeitsstufe entsteht aus sechs Fragen, die wir für jede vergleichende Seite durchgehen. Die Gewichte machen unsere Prioritäten sichtbar; sie sind eine Entscheidungshilfe, keine Messgrösse.

Gewichtung der Dimensionen bei der Vergabe einer Übertragbarkeitsstufe.
DimensionGewichtLeitfrage
Physiologische Nähe20 ProzentIst das Organsystem in beiden Arten vergleichbar gebaut und reguliert?
Mechanistische Übereinstimmung20 ProzentLäuft der Wirkweg wirklich gleich ab, oder nur ähnlich benannt?
Übereinstimmung der Ergebnisse20 ProzentZeigen die Studien in beiden Arten in dieselbe Richtung?
Vergleichbarkeit der Exposition15 ProzentSind Menge, Dauer und Aufnahmeweg überhaupt vergleichbar?
Methodische Qualität15 ProzentWie hoch ist das Verzerrungsrisiko der zugrundeliegenden Arbeiten?
Externe Validität10 ProzentEntspricht die untersuchte Population der Population, über die geredet wird?

Was wir nie tun

  • eine Dosis von einer Art auf eine andere umrechnen, auch nicht über das Körpergewicht
  • eine Assoziation als Ursache darstellen
  • aus einem Zellversuch eine klinische Wirkung ableiten
  • einen Befund am Pferd als Beleg beim Menschen anführen, oder umgekehrt
  • einen Evidenzgrad vergeben, ohne die Schlussfolgerung der Quelle selbst gelesen zu haben

Wie eine Seite entsteht

  1. Fragestellung schärfen: welche Art, welche Population, welcher Endpunkt.
  2. Recherche in der Primärliteratur, systematische Übersichten und kontrollierte Studien zuerst.
  3. Strukturierte Extraktion: Design, Stichprobe, Intervention, Ergebnis, Finanzierung, Grenzen.
  4. Abgleich jeder Aussage mit der tatsächlichen Schlussfolgerung der Quelle, nicht mit ihrem Titel.
  5. Kalibrierung der Verben auf die Stärke der Belege.
  6. Vergabe von Evidenzgrad und Übertragbarkeitsstufe.
  7. Sprachliche Prüfung und, bei gesundheitsbezogenen Inhalten, fachliche Gegenlesung.
  8. Veröffentlichung mit Prüfdatum und Fälligkeit der nächsten Prüfung.

Prüfrhythmus

Spätester Zeitpunkt einer inhaltlichen Neuprüfung, gerechnet ab der letzten substanziellen Revision.
Art des InhaltsSpätestens nach
Notfall, Warnzeichen, Versorgung12 Monaten
Gesundheit von Mensch oder Tier18 Monaten
Ernährung18 Monaten
Methodik24 Monaten
Studieneintragbei Korrektur oder Rückzug der Publikation
Glossar30 Monaten

Der Evidenzbrief

Einmal im Monat: neue Synthesen, geprüfte Studien und was sich an der Beweislage geändert hat.

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