Methodik.
Diese Seite erklärt, wie wir jede Aussage einordnen: welchen Evidenzgrad sie erhält, wie wir Übertragbarkeit zwischen Arten bewerten, und wo die Grenzen unseres eigenen Systems liegen.
Ein internes Raster, kein Weltstandard
Die folgenden Skalen sind redaktionelle Werkzeuge. Sie helfen uns, Aussagen konsistent zu formulieren und Leserinnen und Lesern sichtbar zu machen, worauf eine Aussage beruht. Sie sind kein validiertes klinisches Bewertungsinstrument und ersetzen keine formale Evidenzbewertung nach etablierten Verfahren.
Evidenzgrade
| Grad | Was er bedeutet | Typische Grundlage |
|---|---|---|
| A | Belastbare, übereinstimmende Evidenz | mehrere gute Studien in dieselbe Richtung, oder eine hochwertige systematische Übersicht |
| B | Moderate Evidenz mit erkennbaren Einschränkungen | solide Studien, aber begrenzte Zahl, kurze Dauer oder enge Population |
| C | Schwache oder uneinheitliche Evidenz | kleine Stichproben, widersprüchliche Befunde, hohes Verzerrungsrisiko |
| D | Mechanistische oder explorative Daten | Zellversuche, Tiermodelle ohne klinischen Endpunkt, Pilotstudien |
| E | Meinung, Erfahrung, Hypothese | Fachmeinung, Einzelfälle, unveröffentlichte Beobachtung |
| NA | Nicht anwendbar | die Seite behandelt eine Methode oder einen Begriff, keine Wirkungsfrage |
Übertragbarkeit zwischen Arten
Die zweite Skala beantwortet eine andere Frage. Nicht: wie gut ist die Studie? Sondern: für wen gilt ihr Ergebnis? Eine tadellose Studie am Nagetier bleibt eine Studie am Nagetier.
| Stufe | Bedeutung | Was daraus folgen darf |
|---|---|---|
| T0 | Keine Übertragung vertretbar | nichts; der Befund gilt nur in der untersuchten Art |
| T1 | Gemeinsamer Mechanismus plausibel, klinische Wirkung nicht belegt | eine Hypothese und eine Forschungsfrage |
| T2 | Übereinstimmende Befunde in mehreren Modellen, Zieldaten begrenzt | eine begründete Erwartung, kein Handlungsschluss |
| T3 | Daten in der Zielart vorhanden, aber noch unzureichend | eine vorläufige Einschätzung mit ausdrücklichem Vorbehalt |
| T4 | Wirkung direkt in Zielart und Zielpopulation geprüft | eine Aussage über diese Population, weiterhin ohne Einzelfallempfehlung |
| NA | Kein Artenvergleich | die Seite vergleicht keine Arten |
Die sechs Dimensionen hinter der Stufe
Die Übertragbarkeitsstufe entsteht aus sechs Fragen, die wir für jede vergleichende Seite durchgehen. Die Gewichte machen unsere Prioritäten sichtbar; sie sind eine Entscheidungshilfe, keine Messgrösse.
| Dimension | Gewicht | Leitfrage |
|---|---|---|
| Physiologische Nähe | 20 Prozent | Ist das Organsystem in beiden Arten vergleichbar gebaut und reguliert? |
| Mechanistische Übereinstimmung | 20 Prozent | Läuft der Wirkweg wirklich gleich ab, oder nur ähnlich benannt? |
| Übereinstimmung der Ergebnisse | 20 Prozent | Zeigen die Studien in beiden Arten in dieselbe Richtung? |
| Vergleichbarkeit der Exposition | 15 Prozent | Sind Menge, Dauer und Aufnahmeweg überhaupt vergleichbar? |
| Methodische Qualität | 15 Prozent | Wie hoch ist das Verzerrungsrisiko der zugrundeliegenden Arbeiten? |
| Externe Validität | 10 Prozent | Entspricht die untersuchte Population der Population, über die geredet wird? |
Was wir nie tun
- eine Dosis von einer Art auf eine andere umrechnen, auch nicht über das Körpergewicht
- eine Assoziation als Ursache darstellen
- aus einem Zellversuch eine klinische Wirkung ableiten
- einen Befund am Pferd als Beleg beim Menschen anführen, oder umgekehrt
- einen Evidenzgrad vergeben, ohne die Schlussfolgerung der Quelle selbst gelesen zu haben
Wie eine Seite entsteht
- Fragestellung schärfen: welche Art, welche Population, welcher Endpunkt.
- Recherche in der Primärliteratur, systematische Übersichten und kontrollierte Studien zuerst.
- Strukturierte Extraktion: Design, Stichprobe, Intervention, Ergebnis, Finanzierung, Grenzen.
- Abgleich jeder Aussage mit der tatsächlichen Schlussfolgerung der Quelle, nicht mit ihrem Titel.
- Kalibrierung der Verben auf die Stärke der Belege.
- Vergabe von Evidenzgrad und Übertragbarkeitsstufe.
- Sprachliche Prüfung und, bei gesundheitsbezogenen Inhalten, fachliche Gegenlesung.
- Veröffentlichung mit Prüfdatum und Fälligkeit der nächsten Prüfung.
Prüfrhythmus
| Art des Inhalts | Spätestens nach |
|---|---|
| Notfall, Warnzeichen, Versorgung | 12 Monaten |
| Gesundheit von Mensch oder Tier | 18 Monaten |
| Ernährung | 18 Monaten |
| Methodik | 24 Monaten |
| Studieneintrag | bei Korrektur oder Rückzug der Publikation |
| Glossar | 30 Monaten |
Der Evidenzbrief
Einmal im Monat: neue Synthesen, geprüfte Studien und was sich an der Beweislage geändert hat.