Schmerz beim Pferd: was Verhaltenszeichen wirklich aussagen
Bei 150 Klinikpferden sank der Verhaltensscore nach Leitungsanästhesie von 9 auf 2 von 24. Was Horse Grimace Scale und Ridden Horse Pain Ethogram belegen.
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Zusammenfassung
Pferde zeigen Schmerz vor allem über Verhalten. Zwei Instrumente sind am besten geprüft: die Horse Grimace Scale mit sechs Gesichtsmerkmalen und das Ridden Horse Pain Ethogram mit 24 Verhaltensweisen unter dem Sattel, ab acht Zeichen gilt muskuloskelettaler Schmerz als wahrscheinlich. Bei 150 Klinikpferden fiel der Wert nach schmerzausschaltender Leitungsanästhesie von 9 auf 2. Kein Instrument lokalisiert den Schmerz oder ersetzt die tierärztliche Untersuchung.
32Primärquellen
19 %davon Stufe 1 bis 2
2untersuchte Arten
2014–2026Publikationsjahre
Das Wesentliche
Die Horse Grimace Scale bewertet sechs Gesichtsregionen; eine Übersichtsarbeit von 2022 stufte ihre Belegstärke als hoch ein, jene der gesichtsbasierten EQUUS-FAP als tief.
Das Ridden Horse Pain Ethogram zählt 24 Verhaltensweisen unter dem Sattel; ab acht Zeichen gilt muskuloskelettaler Schmerz als wahrscheinlich.
Bei 150 Klinikpferden sank der mittlere Wert nach Leitungsanästhesie von 9 auf 2 von 24, ohne Zusammenhang mit der sichtbaren Lahmheit.
In einer Stichprobe von 60 als arbeitsfähig eingeschätzten Reitpferden waren knapp drei von vier Tieren an mindestens einem Bein lahm.
Ein hoher Wert zeigt an, dass etwas nicht stimmt: Er sagt weder, wo der Schmerz sitzt, noch ob überhaupt Schmerz die Ursache ist.
Warum Verhalten der einzige direkte Zugang zum Schmerz des Pferdes ist
Schmerz ist eine Empfindung. Er lässt sich weder beim Menschen noch beim Pferd direkt messen. Beim Pferd bleibt nur der Umweg über beobachtbares Verhalten und über Körperwerte wie Herzfrequenz oder Hormonspiegel. Wie gross dieses Verhaltensrepertoire ist, zeigt ein Katalog der Universität Pennsylvania: Aus 35 Jahren Videobeobachtung an Klinikpferden und an gesunden Tieren wurden 73 einzelne Unbehagensverhalten beschrieben, definiert und mit Videobeispielen belegt. Ein Schmerzindikator ist deshalb nie der Schmerz selbst, sondern ein Stellvertreter, dessen Trefferquote man messen muss.
Was heisst „validiert“ bei einer Schmerzskala?
Validiert heisst: geprüft, ob eine Skala misst, was sie messen soll. Eine Übersichtsarbeit von 2022 prüfte zwölf Gesichtsskalen für neun Tierarten nach sechs Messeigenschaften, darunter Zuverlässigkeit, Messfehler und Ansprechen auf Schmerzmittel. Am häufigsten untersucht war die Konstruktvalidität. Zuverlässigkeit und andere Formen der Gültigkeit blieben in fast allen Skalen unterbelichtet.
Das Gesicht: Horse Grimace Scale und equine pain face
Die Horse Grimace Scale bewertet sechs Regionen des Pferdegesichts, jede mit null, einem oder zwei Punkten: steif nach hinten gerichtete Ohren, verengte Lidspalte, Spannung oberhalb des Auges, hervortretende Kaumuskulatur, angespanntes Maul mit betontem Kinn sowie gespannte Nüstern mit abgeflachtem Nasenprofil. Entwickelt wurde sie 2014 an 40 Hengsten, die kastriert wurden. Acht Stunden nach dem Eingriff stiegen die Werte nur bei den operierten Tieren, nicht bei den Kontrollpferden, die dieselbe Narkose ohne Operation erhalten hatten.
Unabhängig davon beschrieb eine dänische Arbeit 2015 ein „equine pain face“. Sechs Pferde erhielten in einem kontrollierten Versuch zwei experimentelle Schmerzreize. In allen Sitzungen veränderte sich der Gesichtsausdruck: tief oder asymmetrisch getragene Ohren, ein eckig wirkendes Auge, ein zurückgezogener, angespannter Blick, seitlich geweitete Nüstern und Spannung in Lippen und Kinn. Dass zwei Gruppen mit völlig verschiedenen Methoden zu weitgehend denselben Merkmalen kamen, ist das stärkste Argument für den Ansatz.
An zehn Pferden mit akuter Hufrehe liess sich die Skala auch am ruhig stehenden Tier anwenden, ohne dass es vorgeführt werden musste. Das ist praktisch bedeutsam, weil die etablierte Reheeinstufung Bewegung verlangt und damit zusätzlichen Schmerz auslöst. Die Gesichtswerte stimmten mit der klinischen Einstufung überein, und es machte keinen bedeutsamen Unterschied, ob aus Standbildern oder aus Videos bewertet wurde.
Die erwähnte Übersicht von 2022 stufte die Belegstärke für die Horse Grimace Scale als hoch ein, zusammen mit den Skalen für Maus, Ratte und Katze. Die gesichtsbasierte EQUUS-FAP für Pferde und ihre Variante für Esel erhielten dagegen die tiefste der drei Stufen. Beide Skalen betrachten dasselbe Gesicht: Der Unterschied liegt nicht im Tier, sondern in der Menge und Qualität der Prüfstudien.
Unter dem Sattel: das Ridden Horse Pain Ethogram
Ein Pferd im Stall zeigt anderes Verhalten als ein Pferd unter dem Sattel. Dafür entwickelte eine britische Gruppe 2018 das Ridden Horse Pain Ethogram, kurz RHpE: 24 klar definierte Verhaltensweisen, die während eines standardisierten Reittests von rund acht bis zehn Minuten erfasst werden. Dazu gehören Ohren nach hinten während mindestens fünf Sekunden, ein geöffnetes Maul mit sichtbar getrennten Zahnreihen, ein starrer Blick über mindestens fünf Sekunden, wiederholtes Schweifschlagen und Zehenschleifen der Hinterhand. Ab acht der 24 Zeichen gilt muskuloskelettaler Schmerz als wahrscheinlich.
Wie oft diese Schwelle bei vermeintlich gesunden Pferden erreicht wird, zeigte eine Stichprobe von 60 Reit- und Sportpferden im regulären Training, die ihre Besitzerinnen und Besitzer als arbeitsfähig einschätzten. Knapp drei von vier Pferden waren an mindestens einem Bein lahm, wenn auch meist geringgradig. Fast die Hälfte zeigte Auffälligkeiten im Galopp. Der mittlere RHpE-Wert lag bei 9 von 24, die Spannweite reichte von 3 bis 16.
Das methodisch stärkste Argument liefert eine Serie von 150 Klinikpferden, die wegen Leistungsabfall vorgestellt wurden. Vor der Untersuchung lag der mittlere Wert bei 9 von 24, nach gezielten Leitungsanästhesien, die den Schmerz vorübergehend ausschalteten, bei 2; bei einem Teil der Pferde wurde zusätzlich der Sattel gewechselt. Bemerkenswert ist ein zweiter Befund derselben Arbeit: Der Verhaltenswert hing nicht mit dem Ausmass der sichtbaren Lahmheit zusammen, und nur drei von zehn Pferden waren durchgehend lahm. Das Ethogramm erfasst also offenbar etwas anderes als das Auge der Lahmheitsuntersucherin.
RHpE-Werte aus sieben publizierten Anwendungen, nach Kontext geordnet. Die Werte stammen aus den jeweiligen Originalarbeiten und sind Mediane von maximal 24 Punkten.
Kontext
Pferde bzw. Starts
Median (von 24)
Bemerkung
Weltcup-Grand-Prix Dressur
147
3
Höchstwert 7; Maul offen bei 68 Prozent
Grand Prix Hickstead-Rotterdam 2020
38
4
Höchstwert 8
Britische Dressurmeisterschaft 2020
26
6
Höchstwert 9
Vielseitigkeit, tiefe und mittlere Klassen
1'010 Starts
4
9,3 Prozent erreichten acht oder mehr
Turnierpferde, drei Disziplinen zusammengefasst
1'358
4
mediane Lahmheitsnote 0; enthält die 1'010 Starts
Freizeit- und Sportpferde, von den Besitzern als gesund eingeschätzt
60
9
73 Prozent an mindestens einem Bein lahm
Klinikpferde mit Leistungsabfall, vor der Diagnostik
150
9
kein Zusammenhang mit der Lahmheitsnote
dieselben 150 Pferde nach Leitungsanästhesie
150
2
Rückgang um sieben Punkte
Die Zahlen hängen stark vom Kontext ab: auf Weltcup-Niveau ein Median von 3, an einer nationalen Meisterschaft 6, bei Freizeitpferden im Alltag 9. Ein hoher Wert ist damit kein Etikett für eine Disziplin, sondern ein Hinweis auf die Streuung innerhalb jeder einzelnen Population. In der Vielseitigkeitsauswertung erreichten 9,3 Prozent der Starts acht oder mehr Zeichen, und diese Pferde sammelten mehr Strafpunkte als die übrigen.
Zusammengesetzte Skalen und der Sonderfall chronischer Schmerz
Für Pferde, die nicht geritten werden, etwa in der Klinik, greifen zusammengesetzte Skalen. Die an der Universität Utrecht entwickelte EQUUS-COMPASS verbindet Verhaltensbeobachtung mit klinischen Parametern, die EQUUS-FAP beschränkt sich auf das Gesicht. In der Konstruktionsstudie an 50 Pferden lag die Übereinstimmung zwischen den Beobachtern bei 0,98 beziehungsweise 0,93 von maximal 1,00, deutlich höher als bei der freien Einschätzung auf einer Schmerzlinie mit 0,63.
In der Folgestudie an 46 Pferden mit akuter Kolik erkannte die zusammengesetzte Skala 87 von 100 schmerzhaften Tieren, ordnete aber knapp drei von zehn gesunden Pferden fälschlich der Schmerzgruppe zu. Die Gesichtsskala verhielt sich umgekehrt: Sie übersah mehr Fälle, stufte dafür kein einziges gesundes Pferd falsch ein. Wer eine Skala wählt, wählt damit auch, welchen Fehler er in Kauf nimmt.
Bei chronischem Schmerz kippt das Bild. Eine eigens dafür gebaute Skala wurde an 53 Pferden geprüft, 26 davon mit Arthrose, chronischer Hufrehe, Rücken-, Hals- oder Zahnproblemen. Der Verhaltensteil erreichte eine gute Beobachterübereinstimmung von 0,84, der Gesichtsteil nur 0,45, also eine schlechte. Unterschiede zwischen kranken und gesunden Tieren zeigten sich an zwei von drei Beobachtungstagen. Das Dauerschmerzgesicht ist offenbar weniger deutlich als das akute.
In Behandlungsstudien dienen solche Skalen als Zielgrösse. In einem verblindeten Versuch zur Epiduralanalgesie bei neun Stuten waren es Gesichtsausdruck und Schmerzverhalten, in einer randomisierten Studie an 54 Kolikpferden nach Bauchoperation eine zusammengesetzte Skala. Beide Arbeiten fanden keinen Unterschied zwischen der geprüften Zusatzbehandlung und der Vergleichsbedingung. Die Skala war dort das Messgerät, nicht das Studienziel: eine Rolle, die höhere Anforderungen an ihre Zuverlässigkeit stellt als die reine Erkennung.
Wo die Instrumente an ihre Grenzen stossen
2022 legte eine Gruppe von Verhaltensforschenden eine kritische Durchsicht des RHpE vor. Ihr Haupteinwand betrifft die Rechenweise: Alle 24 Zeichen zählen gleich viel, obwohl kein Beleg dafür vorliegt, dass ein zehn Sekunden geöffnetes Maul und ein Zehenschleifen der Hinterhand gleich schwer wiegen. Dazu kommen unscharfe Definitionen einzelner Verhaltensweisen und die Feststellung, dass auch andere Aspekte des Reitens dieselben Zeichen auslösen können. Die Autorinnen und Autoren fordern mehr ethologische Grundlagenarbeit, nicht die Abschaffung des Instruments.
Wie berechtigt dieser Einwand ist, zeigt eine spanische Arbeit von 2026 an 20 Polizeipferden. Der mittlere RHpE-Wert lag bei 7,2, vier von zehn Pferden erreichten acht oder mehr Zeichen, am häufigsten nach hinten gedrehte Ohren und Maulöffnen bei je 95 Prozent der Tiere. Trotzdem liess sich kein Zusammenhang zwischen dem Verhaltenswert und den Befunden der Rückenpalpation oder den gemessenen Gangasymmetrien nachweisen. Ein hoher Wert sagt, dass etwas nicht stimmt. Er sagt nicht, wo.
Ein deutscher Versuch trennte 2024 Ausrüstung von Schmerz. Sechzehn Warmblüter wurden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen in zufälliger Reihenfolge mit lockerem und mit strammem Nasenriemen geritten, verblindet ausgewertet. Mit strammem Riemen stiegen die RHpE-Werte deutlich, obwohl bei keinem Pferd ein Wert über acht auftrat. Gleichzeitig nahmen Sekretmenge und Kollaps im Rachenraum zu. Verhaltenszeichen entstehen also auch ohne Gliedmassenschmerz.
Offen ist auch die Rolle der Reiterin oder des Reiters. In der Stichprobe von 60 Pferden blieb die Reitfertigkeit neben der Lahmheit als eigenständiger Einflussfaktor im statistischen Modell. Wie viel des Punktwerts auf die Reiteinwirkung entfällt und wie viel auf den Schmerz, ist damit nicht getrennt, und dieselbe Frage stellt sich für Sattelpassform und Rückenmuskelspannung. Solange das ungeklärt ist, sollte ein einzelner Wert nicht als Urteil über ein einzelnes Pferd gelesen werden.
Wer beobachtet, entscheidet mit
Eine Skala ist nur so gut wie die Person, die sie anwendet. 206 Studierende ohne Pferdeerfahrung bewerteten Gesichtsbilder vor und nach einer halbstündigen standardisierten Schulung. Vorher reichte ihre Übereinstimmung mit der Expertin je nach Merkmal von schwach bis mässig, am schlechtesten bei der Spannung oberhalb des Auges. Nachher erreichten zwei Merkmale, die Ohrenstellung und die verengte Lidspalte, Werte um 0,90 von 1,00. Die übrigen vier blieben zurück. Die Schlussfolgerung der Arbeit: Eine halbe Stunde genügt nicht.
Bei Fachleuten sieht es besser aus. Zehn geschulte Tierärztinnen und Tierärzte bewerteten 20 Pferd-Reiter-Paare live, während diese eine standardisierte Dressuraufgabe ritten. Die Übereinstimmung untereinander lag bei 0,97 von 1,00, und die Werte unterschieden sich signifikant zwischen lahmen und nicht lahmen Pferden. Der Unterschied zur Studierendengruppe ist keine Frage der Begabung, sondern der Trainingsdauer.
Ein anderer Weg ist das rein beschreibende EquiFACS, ein anatomisch begründetes Kodiersystem für alle sichtbaren Gesichtsbewegungen des Pferdes. Es erwies sich als zuverlässig erlernbar, sogar für Personen ohne Pferdeerfahrung. Es misst aber keinen Schmerz, sondern beschreibt nur Bewegungen. Erst die Zuordnung einer Bewegungskombination zu einem inneren Zustand macht daraus ein Schmerzinstrument, und genau dieser Schritt bleibt der strittige.
Automatische Systeme sollen die Person aus der Gleichung nehmen. Ein neuronales Netz, trainiert an Videobildern von sieben kastrierten Pferden, ordnete Gesichter drei Schmerzstufen mit 75,8 Prozent Treffern zu, bei nur zwei Stufen mit 88,3 Prozent. Eine Übersicht von 2024 nennt den Engpass beim Namen: Die Trainingsdaten bestehen aus von Menschen vergebenen Punktwerten. Ein Algorithmus kann dadurch bestenfalls so gut werden wie die Skala, die ihn geeicht hat.
Konvergenz: was unabhängige Messgrössen beitragen
Ein Instrument gewinnt an Glaubwürdigkeit, wenn unabhängige Messgrössen in dieselbe Richtung zeigen. Bei neun Pferden mit akuter Hufrehe waren drei im Blut zirkulierende Mikro-RNA vor der Behandlung erhöht, und eines davon fiel nach der Behandlung messbar ab. Alle drei stiegen und sanken im Gleichlauf mit dem Gesichtsausdruck-Score. Eine zweite Arbeit an elf kastrierten Hengsten fand denselben Gleichlauf: Pferde ohne zusätzliche örtliche Betäubung zeigten sowohl höhere Gesichtswerte als auch höhere Molekülspiegel.
Ein weiteres Beispiel liefert eine kleine belgische Beobachtungsstudie an neun Springpferden. Nach zwölf Wochen mit einem stärkearmen Futter sank der endoskopisch bestimmte Magenbefund im Median von 4 auf 1 und der RHpE-Wert von 6 auf 3, und beide Grössen liefen eng parallel. Die Studie hatte keine Kontrollgruppe und umfasste neun Tiere: Sie zeigt einen Zusammenhang, keine belegte Ursache, und begründet keine Fütterungsempfehlung.
Solche Übereinstimmungen sind kein Beweis. Sie sind das, was in der Messtheorie Konstruktvalidität heisst: Das Instrument verhält sich so, wie sich ein Schmerzmass verhalten müsste. Genau diese Eigenschaft ist laut der Übersicht von 2022 bei den Tierskalen am besten untersucht. Die Kehrseite derselben Feststellung: Zuverlässigkeit, Messfehler und Ansprechverhalten sind es nicht.
Was sich daraus für die Praxis ableiten lässt
Aus der Forschungslage lassen sich Beobachtungsbedingungen ableiten, keine Diagnosen. Alle zitierten Studien arbeiten standardisiert: dieselbe Aufgabe, dieselbe Dauer, dieselbe Kameraposition, Bewertung durch geschulte und meist verblindete Personen. Wer zu Hause Veränderungen erkennen will, braucht dieselbe Sorgfalt, sonst vergleicht er Tagesform mit Tagesform statt Zustand mit Zustand.
Ein Detail aus dem dänischen Schmerzversuch verdient Beachtung: Waren Menschen anwesend, suchten die Pferde unter Schmerz vermehrt Kontakt. Anwesenheit verändert das Verhalten, das man zu messen glaubt. Eine fest montierte Kamera liefert deshalb andere und oft ruhigere Daten als eine Person am Bahnrand.
Video über die ganze Arbeitsphase statt einzelner Momente, aus konstantem Blickwinkel.
Ausrüstung protokollieren: Sattel, Nasenriemen, Gebiss und das Datum der letzten Anpassung.
Mehrere Termine über Wochen, weil ein einzelner Tag wenig aussagt.
Veränderungen gegenüber dem Normalzustand des eigenen Pferdes gewichten, nicht gegenüber anderen Pferden.
Verhaltensskalen ersetzen keine Untersuchung. Sie sind Erkennungshilfen, die eine Frage auslösen sollen, nicht beantworten. Bleiben Veränderungen bestehen oder nehmen sie zu, gehört die Abklärung in tierärztliche Hände: Nur dort lassen sich Lahmheitsuntersuchung, Palpation, Bildgebung und gezielte Anästhesien zusammenführen, mit denen sich der Ort des Schmerzes eingrenzen lässt. Genau diese Kombination führte in der Serie mit 150 Pferden zum Rückgang von 9 auf 2 Punkte.
Fünf Schmerzinstrumente für Pferde im direkten Vergleich
Eigene Auswertung
Aus den Originalpublikationen der fünf Instrumente sowie der Übersichtsarbeit von 2022 zusammengestellt; die Spalte „Belegstärke“ folgt ausschliesslich der Einstufung dieser Übersicht, die nur Gesichtsskalen bewertet hat.
Instrument
Was beurteilt wird
Umfang
Kontext der Prüfung
Beste berichtete Beobachterübereinstimmung
Belegstärke laut Übersicht 2022
Horse Grimace Scale
Gesichtsausdruck im Stand
6 Merkmale, je 0 bis 2 Punkte
Kastration, akute Hufrehe
0,90 bis 0,91 nach Schulung, aber nur für zwei der sechs Merkmale
0,97 zwischen zehn geschulten Tierärztinnen und Tierärzten
nicht bewertet, da keine Gesichtsskala
EQUUS-COMPASS
Verhalten und klinische Parameter im Stand
zusammengesetzt, Trennwert 5
akute Kolik
0,98
nicht bewertet, da keine Gesichtsskala
EQUUS-FAP
Gesichtsausdruck im Stand
zusammengesetzt, Trennwert 4
akute Kolik, zusätzlich Eselvariante
0,93
tief
Horse Chronic Pain Scale
Verhalten plus Gesicht bei Dauerschmerz
zwei Teile
Arthrose, chronische Hufrehe, Rücken- und Zahnprobleme
0,78 gesamt, aber nur 0,45 für den Gesichtsteil
nicht bewertet, nach der Übersicht erschienen
Grenzen und Unsicherheiten
Die Beweislage besteht überwiegend aus Beobachtungs- und Klinikstudien. Von den hier ausgewerteten Quellen sind nur sechs systematische Übersichtsarbeiten oder randomisierte Versuche; die im Redaktionsstandard angestrebte Hälfte erreicht dieses Feld derzeit nicht.
Die Studien zu den beiden Hauptinstrumenten stammen jeweils aus wenigen Arbeitsgruppen: das RHpE fast ausschliesslich aus einer britischen, die Horse Grimace Scale aus einer italienisch-deutsch-britischen, die EQUUS-Skalen aus einer niederländischen. Unabhängige Replikation ist begrenzt.
Mechanistische und Konstruktionsstudien beruhen oft auf sehr kleinen Gruppen: sechs, sieben, neun, zehn oder elf Pferde. Einzelne Tiere können solche Ergebnisse spürbar verschieben.
Die Trennwerte, etwa acht von 24 beim RHpE oder fünf bei der EQUUS-COMPASS, wurden an denselben Stichproben bestimmt, an denen die Skalen entwickelt wurden. Eine unabhängige externe Prüfung gegen einen von der Skala unabhängigen Goldstandard fehlt.
Kein Instrument unterscheidet Schmerz von Angst, Konflikt oder unpassender Ausrüstung, und keines grenzt eine Körperregion ein. Die gleiche Gewichtung aller Merkmale ist publiziert kritisiert worden.
Bei chronischem Schmerz versagen die gesichtsbasierten Anteile weitgehend; die Beobachterübereinstimmung fiel dort auf 0,45 von 1,00.
Offene Fragen
Verbessert eine gewichtete Auswertung der 24 RHpE-Merkmale die Trennschärfe gegenüber der einfachen Summe, und welche Gewichte wären datenbasiert begründbar?
Wie spezifisch sind die beschriebenen Verhaltenszeichen gegenüber nicht schmerzbedingten Ursachen wie Angst, Ausbildungsstand, Sattel- und Zaumzeugpassung oder Reiteinwirkung?
Können automatische Erkennungssysteme klinisch belastbar werden, solange ihre Referenz aus von Menschen vergebenen Skalenwerten besteht?
Gelten die Schwellenwerte auch für Pferde, die nicht auf eine annähernd senkrechte Kopfhaltung ausgebildet sind, sowie für Freizeit-, Arbeits- und Zuchtpferde ausserhalb des Sportbereichs?
Häufige Fragen
Mein Pferd legt beim Reiten oft die Ohren an. Hat es Schmerzen?
Nicht zwingend. Nach hinten gerichtete Ohren über mindestens fünf Sekunden sind eines von 24 Merkmalen des Ridden Horse Pain Ethogram, und einzelne Merkmale sind für sich genommen wenig aussagekräftig. In einer Untersuchung an 20 Polizeipferden zeigten 95 Prozent der Tiere dieses Zeichen, ohne dass ein Zusammenhang zu Rückenbefunden oder Gangasymmetrien nachweisbar war. Erst das gemeinsame Auftreten mehrerer Zeichen, gezählt über eine ganze Arbeitsphase, ergibt ein interpretierbares Bild. Aussagekräftiger als der Einzelbefund ist die Veränderung gegenüber dem, was für Ihr Pferd normal ist.
Mein Pferd ist nicht lahm. Kann es trotzdem Schmerzen haben?
Ja, und das ist einer der belastbarsten Befunde des Feldes. In einer Serie von 150 Klinikpferden mit Leistungsabfall waren nur drei von zehn durchgehend lahm, und der Verhaltenswert hing überhaupt nicht mit dem Ausmass der sichtbaren Lahmheit zusammen. Über ein Drittel zeigte stattdessen beidseitig verkürzte Schritte, was dem Auge als gleichmässige Bewegung erscheint. Nach schmerzausschaltender Leitungsanästhesie fiel der Verhaltenswert von 9 auf 2 von 24. Abwesenheit sichtbarer Lahmheit schliesst muskuloskelettalen Schmerz also nicht aus.
Ab wie vielen Zeichen soll ich die Tierärztin rufen?
Die publizierte Schwelle liegt bei acht von 24 Zeichen unter dem Sattel, sie stammt jedoch aus der Entwicklungsstichprobe und ist ein Forschungswert, keine Handlungsanweisung. Sinnvoller ist ein anderer Massstab: Bleiben Veränderungen über mehrere Trainingseinheiten bestehen oder nehmen sie zu, ist eine Abklärung angezeigt, unabhängig vom Punktwert. In der Vielseitigkeitsauswertung erreichten 9,3 Prozent der Starts acht oder mehr Zeichen. Diese Pferde sammelten mehr Strafpunkte, was zeigt, dass die Schwelle etwas Reales abbildet, ohne einen Zeitpunkt vorzugeben.
Kann ich die Horse Grimace Scale selbst anwenden?
Nur mit Einschränkungen. 206 Personen ohne Pferdeerfahrung erreichten nach einer halbstündigen Schulung bei zwei der sechs Merkmale, der Ohrenstellung und der verengten Lidspalte, eine hohe Übereinstimmung mit einer Expertin. Bei den übrigen vier blieben sie deutlich darunter, am schwächsten bei der Spannung oberhalb des Auges. Die Autorinnen und Autoren bezeichneten eine halbe Stunde ausdrücklich als ungenügend. Für die eigene Beobachtung eignet sich die Skala als Aufmerksamkeitsraster, nicht als Messgerät, dessen Zahlenwert man weitergeben oder vergleichen sollte.
Zeigt ein Pferd mit chronischen Schmerzen dasselbe Gesicht wie eines mit akuten?
Offenbar nicht in gleicher Deutlichkeit. Eine Skala für chronische Schmerzen wurde an 53 Pferden geprüft, 26 davon mit Arthrose, chronischer Hufrehe, Rücken-, Hals- oder Zahnproblemen. Der Verhaltensteil erreichte eine gute Beobachterübereinstimmung von 0,84 von 1,00, der gesichtsbasierte Teil nur 0,45, also eine schlechte. Unterschiede zwischen kranken und gesunden Pferden zeigten sich an zwei von drei Beobachtungstagen. Bei Dauerschmerz tragen Verhaltensbeobachtung über längere Zeiträume und Veränderungen im Alltag mehr Information als eine Momentaufnahme des Gesichts.
Erkennt eine App per Kamera Schmerzen beim Pferd?
Noch nicht verlässlich. Ein neuronales Netz, trainiert an Videobildern von sieben kastrierten Pferden, ordnete Gesichter drei Schmerzstufen mit rund 76 Prozent Treffern zu, bei nur zwei Stufen mit gut 88 Prozent. Das sind Machbarkeitswerte aus sehr kleinen Datensätzen. Eine Übersicht von 2024 nennt das Grundproblem: Die Systeme lernen an Punktwerten, die Menschen vergeben haben, und können deren Schwächen nicht überwinden. Kamerabasierte Verfahren sind ein vielversprechender Forschungszweig, derzeit aber kein Ersatz für Beobachtung und Untersuchung.
Verfälscht meine Anwesenheit die Beobachtung?
Ja, messbar. In einem kontrollierten dänischen Versuch mit sechs Pferden wurde jeder Schmerzreiz einmal mit und einmal ohne anwesende Person gesetzt. War jemand da, suchten die Pferde unter Schmerz vermehrt Kontakt und veränderten damit ihr beobachtbares Verhalten. Für die Praxis heisst das: Eine fest montierte Kamera liefert andere und meist ruhigere Daten als eine Person am Bahnrand. Wer über Wochen vergleichen will, sollte die Beobachtungssituation konstant halten, weil sonst die Bedingung und nicht der Zustand des Pferdes den Unterschied erklärt.
Quellen
Evangelista MC, Monteiro BP, Steagall PV. Measurement properties of grimace scales for pain assessment in nonhuman mammals: a systematic review. Pain, 2022 (Systematische Übersichtsarbeit | Mehrere Arten)DOI 10.1097/j.pain.0000000000002474 Von zwölf Gesichtsskalen für neun Arten wiesen die Skalen für Maus, Ratte, Pferd und Katze eine hohe Belegstärke auf, EQUUS-FAP und die Eselvariante eine tiefe; Konstruktvalidität war am häufigsten untersucht, Zuverlässigkeit und Messfehler blieben weitgehend ungeprüft.
Dyson S, Berger J, Ellis AD, Mullard J. Development of an ethogram for a pain scoring system in ridden horses and its application to determine the presence of musculoskeletal pain. Journal of Veterinary Behavior, 2018 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.1016/j.jveb.2017.10.008 Erstbeschreibung des Ridden Horse Pain Ethogram mit 24 Verhaltensweisen; die Autorinnen und Autoren leiten daraus einen Schwellenwert von acht Zeichen als Hinweis auf muskuloskelettalen Schmerz ab.
Dalla Costa E, Minero M, Lebelt D, Stucke D, Canali E, Leach MC. Development of the Horse Grimace Scale (HGS) as a pain assessment tool in horses undergoing routine castration. PLoS One, 2014 (Kontrollierte Studie | Pferd)DOI 10.1371/journal.pone.0092281 Nur die 40 kastrierten Hengste, nicht die sechs Narkosekontrollen, zeigten acht Stunden nach dem Eingriff erhöhte Gesichts- und Verbundschmerzwerte; zwischen den beiden Schmerzmittelschemata bestand kein Unterschied.
Gleerup KB, Forkman B, Lindegaard C, Andersen PH. An equine pain face. Veterinary Anaesthesia and Analgesia, 2015 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.1111/vaa.12212 Bei sechs Pferden erzeugten zwei experimentelle Schmerzreize reproduzierbar dieselben Gesichtsmerkmale; war ein Mensch anwesend, suchten die Pferde unter Schmerz vermehrt Kontakt.
Wathan J, Burrows AM, Waller BM, McComb K. EquiFACS: The Equine Facial Action Coding System. PLoS One, 2015 (Andere | Pferd)DOI 10.1371/journal.pone.0131738 Anatomisch begründetes Kodiersystem aller sichtbaren Gesichtsbewegungen des Pferdes; es war auch für Personen ohne Pferdeerfahrung zuverlässig erlernbar, beschreibt jedoch Bewegungen und bewertet keinen Zustand.
van Loon JPAM, Van Dierendonck MC. Monitoring acute equine visceral pain with the Equine Utrecht University Scale for Composite Pain Assessment (EQUUS-COMPASS) and the Equine Utrecht University Scale for Facial Assessment of Pain (EQUUS-FAP): A scale-construction study. The Veterinary Journal, 2015 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2015.08.023 An 50 Pferden lag die Beobachterübereinstimmung bei 0,98 für die zusammengesetzte und 0,93 für die Gesichtsskala, gegenüber 0,63 für eine freie visuelle Einschätzung; die Trennwerte wurden auf 5 beziehungsweise 4 festgelegt.
VanDierendonck MC, van Loon JPAM. Monitoring acute equine visceral pain with the Equine Utrecht University Scale for Composite Pain Assessment (EQUUS-COMPASS) and the Equine Utrecht University Scale for Facial Assessment of Pain (EQUUS-FAP): A validation study. The Veterinary Journal, 2016 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2016.08.004 An 46 Pferden mit akuter Kolik erreichte die zusammengesetzte Skala 87 Prozent Sensitivität bei 71 Prozent Spezifität, die Gesichtsskala 77 Prozent Sensitivität bei 100 Prozent Spezifität.
de Grauw JC, van Loon JPAM. Systematic pain assessment in horses. The Veterinary Journal, 2016 (Andere | Pferd)DOI 10.1016/j.tvjl.2015.07.030 Erzählende Übersicht über Schmerzskalen beim Pferd; sie hält fest, dass die vorhandenen Instrumente je nach Schmerzart unterschiedlich gut abschneiden und dass Übertragbarkeit zwischen Schmerzzuständen nicht belegt ist.
Dalla Costa E, Stucke D, Dai F, Minero M, Leach MC, Lebelt D. Using the Horse Grimace Scale (HGS) to Assess Pain Associated with Acute Laminitis in Horses (Equus caballus). Animals, 2016 (Fallserie | Pferd)DOI 10.3390/ani6080047 An zehn Pferden mit akuter Hufrehe stimmten hohe Gesichtswerte mit der klinischen Reheeinstufung überein; Bewertungen aus Standbildern und aus Videos unterschieden sich nicht bedeutsam.
Lecchi C, Dalla Costa E, Lebelt D, Ferrante V, Canali E, Ceciliani F, Stucke D, Minero M. Circulating miR-23b-3p, miR-145-5p and miR-200b-3p are potential biomarkers to monitor acute pain associated with laminitis in horses. Animal, 2018 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1017/S1751731117001525 Bei neun Pferden mit akuter Hufrehe waren drei zirkulierende Mikro-RNA vor der Behandlung erhöht und korrelierten positiv mit den Gesichtsausdruckswerten, was für deren Konstruktvalidität spricht.
Rowland AL, Glass KG, Grady ST, Cummings KJ, Hinrichs K, Watts AE. Influence of caudal epidural analgesia on cortisol concentrations and pain-related behavioral responses in mares during and after ovariectomy via colpotomy. Veterinary Surgery, 2018 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.1111/vsu.12908 In einem verblindeten Versuch an neun Stuten unterschieden sich Epiduralanalgesie und systemische Opioidgabe weder im Verhalten noch in den Kortisolwerten; die Gesichtsausdruckswerte sanken nach Gabe eines Entzündungshemmers.
Dalla Costa E, Pascuzzo R, Leach MC, Dai F, Lebelt D, Vantini S, Minero M. Can grimace scales estimate the pain status in horses and mice? A statistical approach to identify a classifier. PLoS One, 2018 (Laborstudie | Mehrere Arten)DOI 10.1371/journal.pone.0200339 Aus den Einzelmerkmalen der Pferde- und Mäuseskala liess sich ein Klassifikator mit über 70 Prozent Genauigkeit für den Schmerzstatus ableiten, gedacht als Vorstufe automatischer Bilderkennung.
Dyson S, Thomson K, Quiney L, Bondi A, Ellis AD. Can veterinarians reliably apply a whole horse ridden ethogram to differentiate nonlame and lame horses based on live horse assessment of behaviour?. Equine Veterinary Education, 2020 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/eve.13104 Zehn geschulte Tierärztinnen und Tierärzte bewerteten 20 Pferd-Reiter-Paare live mit einer Übereinstimmung von 0,97; das Ethogramm trennte nicht lahme von den meisten lahmen Pferden. Von den 20 Pferden waren 16 lahm, 11 hatten einen unpassenden Sattel und 14 eine schmerzhafte oder verspannte Rückenmuskulatur.
Dai F, Leach M, MacRae AM, Minero M, Dalla Costa E. Does Thirty-Minute Standardised Training Improve the Inter-Observer Reliability of the Horse Grimace Scale (HGS)? A Case Study. Animals, 2020 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.3390/ani10050781 Bei 206 Studierenden ohne Pferdeerfahrung stieg die Übereinstimmung mit einer Expertin nach halbstündiger Schulung nur für Ohrenstellung und verengte Lidspalte auf rund 0,90; die Autorinnen und Autoren bewerten eine halbe Stunde als ungenügend.
Dyson S, Pollard D. Application of a Ridden Horse Pain Ethogram and Its Relationship with Gait in a Convenience Sample of 60 Riding Horses. Animals, 2020 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.3390/ani10061044 Von 60 als arbeitsfähig eingeschätzten Pferden waren 73 Prozent an mindestens einem Bein lahm und 47 Prozent im Galopp auffällig; der mittlere Ethogrammwert lag bei 9 von 24, und Reitfertigkeit sowie Lahmheit blieben als Einflussfaktoren im Modell.
Torcivia C, McDonnell S. Equine Discomfort Ethogram. Animals, 2021 (Andere | Pferd)DOI 10.3390/ani11020580 Aus 35 Jahren Videobeobachtung wurde ein Katalog von 73 benannten und definierten Unbehagensverhalten erstellt, ausdrücklich als gemeinsame Sprache und nicht als Punkteskala gedacht.
van Loon JPAM, Macri L. Objective Assessment of Chronic Pain in Horses Using the Horse Chronic Pain Scale (HCPS): A Scale-Construction Study. Animals, 2021 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.3390/ani11061826 An 53 Pferden erreichte der Verhaltensteil der Skala eine gute Beobachterübereinstimmung von 0,84, der gesichtsbasierte Teil nur 0,45; Unterschiede zu Kontrolltieren zeigten sich an zwei von drei Tagen.
Dyson S, Pollard D. Application of the Ridden Horse Pain Ethogram to Elite Dressage Horses Competing in World Cup Grand Prix Competitions. Animals, 2021 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.3390/ani11051187 Bei 147 Weltcup-Startern lag der mittlere Wert bei 3 von 24 mit einem Höchstwert von 7; geöffnetes Maul und Kopf hinter der Senkrechten traten bei rund zwei Dritteln auf, und höhere Werte gingen mit tieferen Richternoten einher.
Lencioni GC, de Sousa RV, de Souza Sardinha EJ, Corrêa RR, Zanella AJ. Pain assessment in horses using automatic facial expression recognition through deep learning-based modeling. PLoS One, 2021 (Laborstudie | Pferd)DOI 10.1371/journal.pone.0258672 Ein an sieben kastrierten Pferden trainiertes neuronales Netz erreichte 75,8 Prozent Genauigkeit bei drei Schmerzstufen und 88,3 Prozent bei zwei Stufen, gemessen gegen von Menschen vergebene Gesichtswerte.
Dalla Costa E, Dai F, Lecchi C, Ambrogi F, Lebelt D, Stucke D, Ravasio G, Ceciliani F, Minero M. Towards an improved pain assessment in castrated horses using facial expressions (HGS) and circulating miRNAs. Veterinary Record, 2021 (Kontrollierte Studie | Pferd)DOI 10.1002/vetr.82 Bei elf kastrierten Hengsten stiegen Gesichtswerte und drei Mikro-RNA acht Stunden nach dem Eingriff nur in der Gruppe ohne zusätzliche örtliche Betäubung, was beide Messwege gegenseitig stützt.
Dyson S, Pollard D. Application of the Ridden Horse Pain Ethogram to Horses Competing at the Hickstead-Rotterdam Grand Prix Challenge and the British Dressage Grand Prix National Championship 2020 and Comparison with World Cup Grand Prix Competitions. Animals, 2021 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.3390/ani11061820 Bei 38 Startern des Hickstead-Rotterdam-Grand-Prix lag der mittlere Wert bei 4 von 24 (Spannweite 0 bis 8), bei 26 Startern der britischen Meisterschaft bei 6 (Spannweite 1 bis 9); beide Werte lagen höher als bei den Weltcup-Startern.
Dyson S, Pollard D. Application of the Ridden Horse Pain Ethogram to Horses Competing in British Eventing 90, 100 and Novice One-Day Events and Comparison with Performance. Animals, 2022 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.3390/ani12050590 Bei 1'010 Starts lag der mittlere Wert bei 4 von 24; 9,3 Prozent erreichten acht oder mehr Zeichen und sammelten mehr Strafpunkte, während platzierte Pferde einen mittleren Wert von 2 aufwiesen.
Ladewig J, McLean AN, Wilkins CL, Fenner K, Christensen JW, McGreevy PD. A review of The Ridden Horse pain Ethogram and its potential to improve ridden horse welfare. Journal of Veterinary Behavior, 2022 (Andere | Pferd)DOI 10.1016/j.jveb.2022.07.003 Kritische Durchsicht: Die Autorinnen und Autoren beanstanden unscharfe Verhaltensdefinitionen und die gleiche Gewichtung aller 24 Merkmale ohne Datengrundlage und weisen darauf hin, dass auch andere Aspekte des Reitens dieselben Zeichen auslösen können.
Dyson S, Pollard D. Application of the Ridden Horse Pain Ethogram to 150 Horses with Musculoskeletal Pain before and after Diagnostic Anaesthesia. Animals, 2023 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.3390/ani13121940 Bei 150 Pferden sank der mittlere Wert nach Leitungsanästhesie, bei einem Teil zusätzlich mit Sattelwechsel, von 9 auf 2 von 24; er korrelierte nicht mit dem Lahmheitsgrad, nur 30 Prozent waren durchgehend lahm und 34,7 Prozent zeigten beidseitig verkürzte Schritte.
Scholler D, Wittenberg J, Zablotski Y, May A. Do tight nosebands have an effect on the upper airways of horses?. Veterinary Medicine and Science, 2024 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.1002/vms3.1478 In einem randomisierten, verblindeten Versuch an 16 Warmblütern erhöhte ein strammer Nasenriemen die Ethogrammwerte deutlich, ohne dass ein Wert über acht auftrat, und ging mit mehr Sekret und Kollaps im Rachenraum einher.
Chiavaccini L, Gupta A, Chiavaccini G. From facial expressions to algorithms: a narrative review of animal pain recognition technologies. Frontiers in Veterinary Science, 2024 (Andere | Mehrere Arten)DOI 10.3389/fvets.2024.1436795 Erzählende Übersicht zur automatischen Schmerzerkennung: Der begrenzende Faktor sind nicht die Algorithmen, sondern die Referenzdaten, die aus von Menschen vergebenen Skalenwerten bestehen.
Pineau V, Ter Woort F, Julien F, Vernant M, Lambey S, Hébert C, Hanne-Poujade S, Westergren V, van Erck-Westergren E. Improvement of gastric disease and ridden horse pain ethogram scores with diet adaptation in sport horses. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2024 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1111/jvim.17223 Bei neun Springpferden ohne Kontrollgruppe sanken nach zwölf Wochen stärkearmer Fütterung Magenbefund und Ethogrammwert gemeinsam, mit starker Korrelation zwischen beiden Grössen.
Hall C, Kay R. Living the good life? A systematic review of behavioural signs of affective state in the domestic horse and factors relating to quality of life. Part 2: Horse-human interactions. Animal Welfare, 2024 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.1017/awf.2024.41 Von 109 ausgewerteten Arbeiten zu Mensch-Pferd-Interaktionen befassten sich 22 mit Schmerzerkennung; die Autorinnen betonen, dass menschliche Kontrolle das Verhalten während der meisten Interaktionen einschränkt und positive wie negative Zeichen überdeckt.
Dyson S, Pollard D. Determination of Equine Behaviour in Subjectively Non-Lame Ridden Sports Horses and Comparison with Lame Sports Horses Evaluated at Competitions. Animals, 2024 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.3390/ani14121831 Bei 1'358 Turnierpferden lag der mittlere Wert bei 4 von 24 bei einer medianen Lahmheitsnote von 0; die Häufigkeit der meisten der 24 Verhaltensweisen unterschied sich zwischen lahmen und nicht lahmen Pferden.
Giulivi F, Nannarone S. Use of Intraperitoneal Lidocaine in Horses Undergoing Laparotomy for Colic. Animals, 2026 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.3390/ani16111616 In einer randomisierten Studie an 54 Kolikpferden verbesserte intraperitoneales Lidocain die mit einer zusammengesetzten Skala gemessenen Schmerzwerte in den ersten 24 Stunden nicht signifikant.
Resano-Zuazu M, Carmona JU, Argüelles D. A multimodal approach to equine thoracolumbar myofascial pain: integrating clinical examination, AI-based gait analysis, and the ridden horse pain ethogram. BMC Veterinary Research, 2026 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1186/s12917-026-05566-w Bei 20 Polizeipferden lag der mittlere Ethogrammwert bei 7,2 und 40 Prozent erreichten acht oder mehr Zeichen, doch bestand kein Zusammenhang mit Palpationsbefunden am Rücken oder mit gemessenen Gangasymmetrien.
Dyson S. An Investigation of the Role of Ridden Exercise, Including Application of the Ridden Horse Pain Ethogram, in Pre-Purchase Examinations of Sports Horses. Animals, 2026 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.3390/ani16132105 Bei 25 Ankaufsuntersuchungen mit Reitteil hatten alle acht als vertretbares Risiko eingestuften Pferde Ethogrammwerte von höchstens 4 von 24; sechs von ihnen erfüllten später die Erwartungen der Käuferschaft.