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Zusammenfassung
Pferde und Menschen schwitzen beide zur Wärmeabgabe, verlieren dabei aber unterschiedlich zusammengesetzte Flüssigkeiten. Pferdeschweiss ist eine apokrine, proteinhaltige Sekretion, die isoton bis leicht hyperton zum Blutplasma ist; menschlicher Schweiss ist ekkrin und deutlich hypoton. Deshalb steht beim Menschen die Verdünnungshyponatriämie durch Trinken über den Verlust im Vordergrund, beim Pferd eher der absolute Salz- und Chloridverlust. Praktische Regeln lassen sich zwischen den Spezies nicht übertragen.
22Primärquellen
50 %davon Stufe 1 bis 2
2untersuchte Arten
1996–2025Publikationsjahre
Das Wesentliche
Pferdeschweiss ist isoton bis leicht hyperton zum Plasma, menschlicher Schweiss deutlich hypoton: derselbe Kühlmechanismus, zwei verschiedene Salzbilanzen.
Bei 157 Marathonläuferinnen und -läufern lag die Natriumkonzentration im Schweiss im Mittel bei rund 43 mmol pro Liter, mit Einzelwerten zwischen 7 und 95.
Sechs trainierte Pferde verloren über 45 Kilometer Arbeit im Mittel 27,5 Liter Schweiss und rund 241 Gramm Ionen; aus Plasmawerten allein wäre dieser Verlust deutlich unterschätzt worden.
Die internationale Konsensusgruppe führt die Belastungshyponatriämie beim Menschen vor allem auf Trinken über den Verlust hinaus zurück, nicht auf den Salzverlust allein.
Nach 21 Tagen Hitzeakklimatisation sanken die gesamten Ionenverluste der sechs untersuchten Pferde um rund ein Viertel.
Was Elektrolyte bei Belastung tatsächlich regeln
Natrium ist das mengenmässig wichtigste geladene Teilchen ausserhalb der Zellen, Kalium das wichtigste innerhalb. Chlorid begleitet Natrium als Gegenspieler mit negativer Ladung. Zusammen bestimmen diese drei die Osmolalität des Blutplasmas, also die Konzentration gelöster Teilchen, an der sich das Wasser zwischen Blut, Zwischenzellraum und Zellinnerem verteilt. Der kausale Kern ist schlicht: Wasser folgt dem Natrium. Wer die Natriumkonzentration im Blut verschiebt, verschiebt Wasser hinterher, und zwar in beide Richtungen.
Schweiss ist deshalb nie „nur Wasser“. Er entsteht aus einer Vorstufe, die dem Blutplasma ähnelt, und wird auf dem Weg an die Hautoberfläche verändert. Wie stark verändert, entscheidet über alles, was danach kommt: über den Salzverlust pro Liter, über die Frage, ob das Blut beim Schwitzen konzentrierter oder verdünnter wird, und über die Art der Störung, die bei sehr langer Belastung auftreten kann. Genau an dieser Stelle trennen sich Pferd und Mensch.
Pferdeschweiss und Menschenschweiss sind nicht dieselbe Flüssigkeit
Der Mensch schwitzt über ekkrine Drüsen, die eine dünnflüssige, proteinarme und deutlich hypotone Flüssigkeit abgeben. Ein Übersichtsartikel von 2019 zur Physiologie der Schweissdrüse hält dazu fest, dass diese Drüsen den Schweiss nicht wie die Niere aufkonzentrieren oder Wasser zurückhalten können: Die Anpassungsmöglichkeiten sind eng begrenzt. Das Pferd schwitzt über apokrine Drüsen, die über fast die gesamte behaarte Haut verteilt sind. Die klassische veterinärmedizinische Übersichtsarbeit von 1998 beschreibt equinen Schweiss als isotone bis leicht hypertone Sekretion mit Natrium, Chlorid und Kalium als Hauptbestandteilen.
Warum schäumt Pferdeschweiss und menschlicher nicht?
Weil Pferdeschweiss ein eigenes Netzmittel enthält: das Protein Latherin, das die Oberflächenspannung von Wasser bereits bei Konzentrationen von einem Milligramm pro Milliliter und darunter deutlich senkt. Es wurde bei Pferd, Zebra, Onager und Esel in nahezu identischer Form gefunden, was auf eine gemeinsame Anpassung der Equiden hinweist. Ohne diesen Stoff bliebe Schweiss im wasserabweisenden Fell hängen, statt an die Oberfläche zu gelangen und dort zu verdunsten.
Dieser Unterschied ist mehr als eine Kuriosität. Der sichtbare weisse Schaum am Pferd entsteht durch Protein, nicht durch besonders viel Salz. Die Menge des Schaums sagt daher nichts über die Natriumkonzentration im Schweiss aus. Beim Menschen bleiben nach dem Verdunsten Salzränder auf Haut und Kleidung zurück, doch auch diese sind kein Messwert, sondern ein Hinweis.
Wie viel wirklich verloren geht: Zahlen aus beiden Spezies
Beim Pferd sind die Grössenordnungen erheblich. In einer kontrollierten Untersuchung verloren trainierte Vollblüter über 45 Kilometer Arbeit bei niedriger Intensität im Mittel 27,5 Liter Schweiss und damit rund 241 Gramm Ionen, entsprechend etwa 7,8 Mol. Eine Übersichtsarbeit zum Distanzsport nennt unter heissen Bedingungen Flüssigkeitsverluste von 10 bis 15 Litern pro Stunde. Zum Vergleich: Nach 21 Tagen Hitzeakklimatisation lagen die gesamten Ionenverluste einer Pferdegruppe bei rund 2'295 statt zuvor 3'112 Millimol pro Testlauf.
Beim Menschen liegen die Konzentrationen tiefer und die Streuung höher. Eine Feldstudie an 157 erfahrenen Marathonlaufenden mass in Aufsaugpflastern am Unterarm durchschnittlich rund 43 Millimol Natrium pro Liter, mit Einzelwerten von 7 bis 95. Chlorid lag im Mittel bei rund 32 Millimol pro Liter, Kalium dagegen stabil bei rund 6, in einer engen Spanne von 3 bis 8. Etwa jede fünfte Person überschritt 60 Millimol Natrium pro Liter; unter den Frauen dieser Stichprobe erreichte niemand diesen Wert.
Warum die Streuung so gross ist
Beim Pferd hängt die Zusammensetzung des Schweisses stark von der Schweissrate ab. Steigt die Rate, steigt die Natriumkonzentration mit. Hitze und Intensität erhöhen also beides gleichzeitig: das Volumen und den Salzgehalt pro Liter. Der Gesamtverlust wächst damit stärker als die Schweissmenge allein. Wie gross dieser Zuwachs bei einer bestimmten Aussentemperatur ausfällt, ist allerdings nicht beziffert: Die vorliegenden Arbeiten beschreiben die Beziehung, sie liefern keine Umrechnungstabelle.
Beim Menschen sieht das Bild in derselben Untersuchung anders aus. In der Marathonstudie liess sich die grosse Spannweite zwischen den Personen weder durch Alter noch durch Körperbau, Trainingsumfang oder Schweissrate erklären. Nur Geschlecht und individuelles Lauftempo zeigten überhaupt einen Zusammenhang, und beim Tempo war er so schwach, dass die Autoren ihn nicht als Erklärung gelten liessen. Daraus folgt nicht, dass die Bedingungen beim Menschen bedeutungslos wären: Es folgt, dass sie in dieser einen Stichprobe die Unterschiede zwischen den Personen nicht erklärten. Wie sich die Konzentration innerhalb derselben Person bei steigender Schweissrate verhält, war nicht die Frage dieser Studie.
Kann Gewöhnung an Hitze den Salzverlust senken?
In beiden Spezies deuten die Daten in dieselbe Richtung, allerdings mit unterschiedlich harten Endpunkten. Pferde senkten nach 21 Tagen täglicher Belastung in Hitze und Feuchte ihre gesamten Ionenverluste um rund ein Viertel, bei etwa 10 Prozent tieferer Natriumkonzentration im Schweiss. Eine Zusammenfassung von 96 Studien am Menschen zeigt, dass Hitzeanpassung die Wärmeabgabe und die Leistungsfähigkeit verbessert, am deutlichsten bei Programmen über 14 Tage.
Belastungshyponatriämie: ein überwiegend menschliches Problem
Als Belastungshyponatriämie gilt beim Menschen ein Absinken der Natriumkonzentration im Blut unter 135 Millimol pro Liter während oder innerhalb von 24 Stunden nach längerer körperlicher Belastung. Die internationale Konsensusgruppe von 2015 führt sie überwiegend auf Trinken über den tatsächlichen Verlust hinaus zurück, verstärkt durch eine hormonelle Wasserrückhaltung, die während Belastung auch dann anhält, wenn sie physiologisch nicht mehr angezeigt wäre. Der Salzverlust über den Schweiss spielt nach dieser Lesart die kleinere Rolle.
Wie häufig das vorkommt, hängt stark vom Anlass ab. Eine Übersichtsarbeit von 2022, die 135 Publikationen zum Marathon durchgesehen hat, verweist für die Häufigkeit auf zwei grössere Untersuchungen mit rund 7 bis 15 Prozent, symptomatische und symptomlose Fälle zusammengenommen. Eine systematische Auswertung von 2025, die 56 Feldstudien mit insgesamt 220 dokumentierten Fällen zusammenfasste, kam zu zwei bemerkenswerten Befunden: Kein einziger Fall unter 130 Millimol pro Liter verlief symptomlos, und der absolute Zahlenwert sagte den Schweregrad nicht zuverlässig voraus.
Beim Pferd zeigt sich unter langer submaximaler Belastung eine andere Richtung. In kontrollierten Versuchen entwickelten Pferde eine milde Alkalose, also eine Verschiebung des Säure-Basen-Gleichgewichts nach oben, die durch eine grosse orale Elektrolytgabe vor der Arbeit abgeschwächt wurde. Auch der Chloridverlust ist beim Pferd ein wiederkehrendes Thema. In einer Feldstudie über 62 Kilometer stieg die Natriumkonzentration im Blut jener Pferde an, die Salzpaste erhalten hatten und danach wenig tranken; die Autorinnen und Autoren rieten von dieser Reihenfolge ausdrücklich ab.
Feldmessung: was messbar ist und was nur geschätzt wird
Die Veränderung der Körpermasse vor und nach der Belastung ist die einzige einfach verfügbare Grösse für den Flüssigkeitsverlust. Sie sagt jedoch nichts über die verlorenen Ionen. Genau das wurde beim Pferd direkt geprüft: Werden die Ionenverluste aus Veränderungen im Blutplasma hochgerechnet, fallen sie deutlich tiefer aus als bei direkter Messung des Schweisses oder über die Bilanz der austauschbaren Kationen. Die Plasmawerte sind also der falsche Ort, um nach dem Verlust zu suchen, weil der Körper sie gerade stabil zu halten versucht.
Sagt ein Schweisstest, wie viel Salz jemand braucht?
Er sagt weniger, als die Zahl suggeriert. Eine Validierungsstudie an 49 Personen verglich Aufsaugpflaster an sieben Körperstellen mit der Ganzkörpermessung. Die Abweichung der unkorrigierten Pflasterwerte reichte je nach Körperstelle von praktisch null bis rund 23 Millimol pro Liter über dem Ganzkörperwert. Erst Umrechnungsformeln senkten die mittlere Abweichung an allen sieben Stellen auf etwa 5 Millimol pro Liter oder weniger.
Dazu kommt eine grundsätzliche Einschränkung. Der Übersichtsartikel von 2019 kommt zum Schluss, dass die Zusammensetzung des Schweisses derzeit nur begrenzt als Spiegel der Blutzusammensetzung taugt: Die Beziehung zwischen beiden ist nicht ausreichend geklärt. Ein Schweisstest liefert eine Momentaufnahme unter den Bedingungen des Testtags, keine feste Eigenschaft einer Person oder eines Tieres.
Was orale Zufuhr in kontrollierten Versuchen bewirkt hat
Auf der Pferdeseite existieren mehrere randomisierte Versuche derselben Arbeitsgruppe. Drei Liter einer Elektrolytlösung verliessen den Magen gleich schnell wie Wasser, mit einer Halbwertszeit von 47 Minuten, und verlängerten die Zeit bis zur freiwilligen Erschöpfung im Mittel um 33 Prozent. Acht Liter einer hypotonen Lösung vor der Arbeit verringerten die Verluste aus dem Flüssigkeitsraum ausserhalb der Zellen und dämpften die milde Alkalose, während drei Liter bei niedriger Intensität kaum Wirkung zeigten. In einer weiteren randomisierten Studie über 19 Tage verschlechterten Kochsalzpellets in einer Menge, die den Verlusten von zehn Litern Schweiss entsprach, die Magenschleimhaut nicht; die Ausgangshäufigkeit von Schleimhautveränderungen lag in dieser Gruppe bereits bei 85 Prozent.
Auf der Menschenseite fällt das Bild differenzierter aus. Ein Trinkplan, der auf den zuvor gemessenen Flüssigkeits- und Natriumverlusten jeder Person beruhte, erhöhte in einer randomisierten Untersuchung die aufgenommene Menge gegenüber freiem Trinken deutlich und verlängerte die hochintensive Arbeit in der Hitze. Eine andere randomisierte Studie liess in Ruhe trinken und fand, dass Elektrolyte allein in der Konzentration üblicher Sportgetränke die Flüssigkeitsrückhaltung gegenüber reinem Wasser nicht verlässlich verbesserten; erst die Kombination mit Kohlenhydraten oder einem Dipeptid tat das. Und kleine Trinkmengen von etwa einem Milliliter pro Kilogramm Körpermasse veränderten bei ruhenden, gut hydrierten Personen die Natrium-, Magnesium- und Kalziumwerte im Blut innerhalb einer Stunde messbar überhaupt nicht.
Was sich übertragen lässt und was nicht
Geteilt ist die Grundphysik: Beide Spezies kühlen über Verdunstung, beide verlieren dabei Natrium, Chlorid und Kalium, und in beiden folgt Wasser dem Natrium. Geteilt ist auch die Beobachtung, dass wiederholte Belastung in Hitze die Verluste senkt. Bis hierhin ist die vergleichende Betrachtung tragfähig und liefert brauchbare Hypothesen.
Nicht geteilt sind Drüsentyp, Tonizität, das Verhältnis von Körpermasse zu Oberfläche und die Rolle des Verdauungstrakts als Flüssigkeitsreservoir, die beim Pferd erheblich ist. Nicht geteilt ist vor allem die dominante Störungsrichtung: Beim Menschen droht bei sehr langer Belastung eher die Verdünnung durch Trinken, beim Pferd eher der absolute Verlust von Salz und Chlorid. Eine für die eine Spezies sinnvolle Faustregel kann in der anderen genau in die falsche Richtung zeigen.
Schliesslich lohnt der Blick darauf, wie unsicher selbst die innermenschlichen Schwellen sind. Eine Zusammenfassung mehrerer Untersuchungen fand, dass ein bereits vor Belastungsbeginn bestehendes Flüssigkeitsdefizit von im Mittel 3,6 Prozent der Körpermasse die aerobe Leistung um rund 2,4 Prozent senkte. Eine andere Zusammenfassung fand dagegen für die kognitive Leistung keine belegbare Verschlechterung, auch nicht oberhalb der oft zitierten Schwelle von zwei Prozent Körpermasseverlust. Wer solche Schwellen zwischen Spezies verschiebt, verschiebt eine Zahl, die schon in der Ausgangsspezies umstritten ist.
Pferd und Mensch: was der Vergleich zeigt und was er gerade nicht erlaubt
Eigene Auswertung
Aufgebaut aus den in diesem Artikel zitierten Primärstudien: je Merkmal wurde der publizierte Wert der jeweiligen Spezies eingetragen und in der letzten Spalte diejenige Schlussfolgerung benannt, die aus dem Unterschied ausdrücklich nicht folgt.
Merkmal
Pferd: Studienwert
Mensch: Studienwert
Richtung des Unterschieds
Was daraus nicht folgt
Drüsentyp und Schweissprotein
apokrin, proteinreich; Latherin senkt die Oberflächenspannung bereits bei 1 mg pro ml und darunter
ekkrin, proteinarm
Das Pferd braucht ein Netzmittel, um Schweiss durch das Fell an die Oberfläche zu bringen
Dass Schaumbildung ein Mass für den Salzgehalt ist oder dass menschliche Schweisstests das Benetzungsverhalten beim Pferd abbilden
Tonizität gegenüber dem Blutplasma
isoton bis leicht hyperton
deutlich hypoton
Pro Liter Schweiss verliert das Pferd anteilig mehr Salz
Dass ein Pferd je Kilogramm Körpermasse mehr Salz benötigt: ein direkter Vergleich dieser Bezugsgrösse fehlt
Was die Natriumkonzentration steuert
steigt mit der Schweissrate, also mit Hitze und Intensität
Unterschiede zwischen 157 Marathonlaufenden weder durch Schweissrate noch durch Alter, Körperbau oder Training erklärt
Beim Pferd erklärt die Schweissrate einen grossen Teil der Konzentration; im Marathonfeld erklärte sie die Unterschiede zwischen den Personen nicht
Dass ein einzelner Messwert dauerhaft für ein Tier oder eine Person gilt, und ebenso wenig, dass die Schweissrate beim Menschen ohne Einfluss auf die Konzentration wäre
Kalium im Schweiss
mengenmässig einer der Hauptbestandteile
rund 6 mmol pro Liter, enge Spanne von 3 bis 8
Kalium ist beim Menschen der stabilste der drei Ionenwerte
Dass equine Kaliumverluste nach menschlichen Massstäben eingeordnet werden dürfen
Dominante Störungsrichtung bei sehr langer Belastung
milde Alkalose und Chloridverlust bei anhaltendem Schwitzen
Verdünnungshyponatriämie durch Trinken über den Verlust hinaus
Gegenläufig: einmal Verlust, einmal Verdünnung
Dass eine für Menschen gedachte Trinkregel auf Pferde passt oder umgekehrt
Wirkung wiederholter Belastung in Hitze
nach 21 Tagen rund ein Viertel weniger Ionenverlust, Natrium im Schweiss rund 10 Prozent tiefer
Programme über 14 Tage verbessern Wärmeabgabe und Leistung am deutlichsten
Gleiche Richtung, aber unterschiedlich harte Endpunkte
Dass die Zeitfenster der Anpassung zwischen den Spezies gleich lang sind
Grenzen und Unsicherheiten
Die aussagekräftigsten equinen Daten zur Schweisszusammensetzung stammen aus den Jahren 1995 bis 2002 und beruhen auf Laufbandversuchen mit meist vier bis sechs Tieren. Neuere Arbeiten haben diese Grundwerte nicht mit grösseren Gruppen bestätigt.
Die randomisierten equinen Versuche zur oralen Elektrolytgabe stammen überwiegend aus einer einzigen Arbeitsgruppe und wurden an sehr kleinen Gruppen durchgeführt. Eine unabhängige Wiederholung fehlt.
Direkte Vergleichsstudien, die Pferde und Menschen unter denselben Bedingungen und mit denselben Messmethoden untersuchen, existieren nach der hier durchgeführten Recherche nicht. Der Vergleich in diesem Artikel setzt getrennt erhobene Datensätze nebeneinander.
Zur Schweisszusammensetzung beim Menschen liegen grosse Feldstudien vor, jedoch kaum systematische Übersichten oder Zusammenfassungen mehrerer Studien. Die Streuungsangaben stammen aus einzelnen, teils sehr grossen Stichproben, und die genannten Konzentrationswerte wurden mit Aufsaugpflastern an einer einzelnen Körperstelle gewonnen, die gegenüber der Ganzkörpermessung nach oben abweichen können.
Zur Frage, ob gezielte Salzzufuhr die Belastungshyponatriämie beim Menschen verhindert, fehlen aussagekräftige randomisierte Studien. Die Konsensusempfehlungen stützen sich vor allem auf Beobachtungsdaten und auf das Erklärungsmodell der Wasserüberladung.
Beim Pferd fehlen kontrollierte Daten zur Frage, ob eine Verbesserung der Elektrolytbilanz das Ausscheiden aus Distanzritten aus metabolischen Gründen tatsächlich verringert.
Offene Fragen
Lässt sich die grosse Streuung der Natriumkonzentration im menschlichen Schweiss durch genetische oder ernährungsbedingte Faktoren erklären, nachdem Alter, Körperbau, Training und Schweissrate sie nicht erklären?
Verhält sich die Natriumkonzentration im Pferdeschweiss bei gleicher Schweissrate zwischen Rassen und Haltungsformen gleich, oder gibt es beim Pferd eine ähnlich grosse individuelle Streuung wie beim Menschen?
Welche Grösse eignet sich im Feld besser als die Körpermasse, um den Ionenverlust während einer Belastung abzuschätzen, ohne Schweiss direkt aufzufangen?
Ist die milde Alkalose des ausdauernd arbeitenden Pferdes ein leistungsrelevantes Phänomen oder eine begleitende Messgrösse ohne eigenständige Bedeutung?
Häufige Fragen
Mein Pferd hat nach dem Training weisse Ränder im Fell. Schwitzt es zu viel Salz aus?
Aus weissen Rändern allein lässt sich das nicht ableiten. Pferdeschweiss enthält das Protein Latherin, das die Oberflächenspannung von Wasser stark senkt und für Schaumbildung sorgt. Sichtbare Rückstände hängen daher auch von Fellbeschaffenheit, Pflege und Verdunstungsbedingungen ab, nicht nur vom Salzgehalt. Zudem steigt die Natriumkonzentration im equinen Schweiss mit der Schweissrate: Derselbe Ritt geht an einem heissen Tag mit einem anderen Salzverlust einher als an einem kühlen. Wer den Verlust genauer einschätzen will, kommt an einer tierärztlichen Beurteilung nicht vorbei.
Bekommt man eine Belastungshyponatriämie, weil man zu wenig Salz isst?
Nach heutigem Stand überwiegend nicht. Die internationale Konsensusgruppe führt die Belastungshyponatriämie in erster Linie darauf zurück, dass während langer Belastung mehr getrunken wird, als tatsächlich verloren geht, und dass gleichzeitig eine hormonelle Wasserrückhaltung anhält. Der Natriumverlust über den Schweiss trägt bei, gilt aber als der kleinere Anteil. Deshalb zielen die Empfehlungen der Konsensusgruppe auf das Trinkverhalten und nicht auf eine bestimmte Salzmenge. Bei Beschwerden nach langer Belastung ist ärztliche Abklärung erforderlich.
Kann ich aus dem Gewichtsverlust ausrechnen, wie viel Salz ich verloren habe?
Nein. Die Veränderung der Körpermasse schätzt den Flüssigkeitsverlust ab, nicht den Ionenverlust: Dafür fehlt die Konzentration. Beim Pferd wurde direkt geprüft, was passiert, wenn man Ionenverluste aus Blutwerten hochrechnet, und das Ergebnis war eine deutliche Unterschätzung gegenüber der direkten Schweissmessung. Der Grund ist physiologisch: Der Körper hält die Blutwerte gerade dann möglichst stabil, wenn er Ionen verliert. Wer die Ionen kennen will, muss den Schweiss selbst messen.
Wie zuverlässig sind Schweisstests mit Pflastern?
Sie liefern brauchbare Grössenordnungen, aber nur mit Korrektur. In einer Untersuchung an 49 Personen reichte die Abweichung der rohen Pflasterwerte je nach Körperstelle von praktisch null bis rund 23 Millimol pro Liter über dem Wert der Ganzkörpermessung. Umrechnungsformeln senkten sie an allen sieben Stellen auf etwa 5 Millimol pro Liter oder weniger. Wichtig bleibt: Ein Test misst die Bedingungen des Testtags. Da Schweiss- und Blutzusammensetzung nach heutigem Stand nicht sauber ineinander übersetzbar sind, ist ein einzelner Wert kein dauerhaftes persönliches Merkmal.
Gelten Elektrolytempfehlungen aus dem Ausdauersport auch für Sportpferde?
Nein, und der Vergleich zeigt genau, warum nicht. Menschlicher Schweiss ist deutlich hypoton, equiner Schweiss isoton bis leicht hyperton: Pro Liter geht beim Pferd anteilig mehr Salz verloren. Auch die dominante Störungsrichtung unterscheidet sich, beim Menschen eher Verdünnung durch Trinken, beim Pferd eher absoluter Salz- und Chloridverlust. Eine Regel, die in der einen Spezies sinnvoll ist, kann in der anderen in die Gegenrichtung weisen. Fragen zum einzelnen Pferd gehören in die tierärztliche Betreuung.
Reicht Wasser, oder braucht es ein Elektrolytgetränk?
Die Studienlage beim Menschen ist uneinheitlicher, als die Werbung nahelegt. In einer randomisierten Untersuchung an in Ruhe trinkenden jungen Erwachsenen verbesserten Elektrolyte allein, in der Konzentration üblicher Sportgetränke, die Flüssigkeitsrückhaltung gegenüber reinem Wasser nicht verlässlich; erst zusammen mit Kohlenhydraten oder einem Dipeptid war ein Effekt sichtbar. Kleine Trinkmengen von etwa einem Milliliter pro Kilogramm Körpermasse veränderten bei ruhenden, gut hydrierten Personen die Blutwerte innerhalb einer Stunde gar nicht. Was im Einzelfall sinnvoll ist, hängt von Dauer, Hitze und individuellen Verlusten ab.
Quellen
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Waller AP, Lindinger MI. Pre-loading large volume oral electrolytes: tracing fluid and ion fluxes in horses during rest, exercise and recovery. The Journal of Physiology, 2021 (Randomisierte Studie | Pferd)DOI 10.1113/JP281648 Acht Liter einer hypotonen Elektrolytlösung vor der Belastung verringerten die Verluste aus dem Raum ausserhalb der Zellen und verlängerten die Belastungsdauer; markiertes Natrium blieb ausserhalb der Zellen, während Kalium innerhalb von zwei Stunden in die Muskelzellen aufgenommen wurde.
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Millard-Stafford M, Snow TK, Jones ML, Suh H. The beverage hydration index: influence of electrolytes, carbohydrate and protein. Nutrients, 2021 (Randomisierte Studie | Mensch)DOI 10.3390/nu13092933 Bei in Ruhe trinkenden jungen Erwachsenen verbesserten Elektrolyte allein in der Konzentration üblicher Sportgetränke die Flüssigkeitsrückhaltung gegenüber Wasser nicht verlässlich; erst die Kombination mit Kohlenhydraten oder einem Dipeptid erhöhte die Rückhaltung.
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Goodman SPJ, Moreland AT, Marino FE. The effect of active hypohydration on cognitive function: a systematic review and meta-analysis. Physiology and Behavior, 2019 (Meta-Analyse | Mensch)DOI 10.1016/j.physbeh.2019.03.008 Die zusammengefassten Daten zeigten keine belegbare Verschlechterung der kognitiven Leistung durch belastungsbedingte Dehydratation, auch nicht oberhalb der häufig zitierten Schwelle von zwei Prozent Körpermasseverlust.
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