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Kolik beim Pferd: Warnzeichen, Notfall und belegte Vorbeugung

Rund ein Viertel der tierärztlich gesehenen Kolikfälle verlief kritisch: welche Befunde sie trennen, welche Risikofaktoren wiederkehren, was belegt ist.

Redaktion ForschungPferd Redaktion
Fachliche GegenlesungPosition noch nicht besetzt, offen ausgewiesen.

11 Min. Lesezeit Zuletzt fachlich geprüft Freier Zugang

Dunkelbraunes Pferd in einer Box, den Kopf tief zum Stroh gesenkt, türkis gestrichene Boxenwand, diesiges Licht auf grobem Verputz, Halme am Boden.

Zusammenfassung

Kolik ist kein einzelnes Leiden, sondern ein Schmerzsignal aus dem Bauchraum mit sehr unterschiedlichen Ursachen. In britischen Erhebungen der tierärztlichen Erstuntersuchung war rund ein Viertel der auswertbaren Fälle kritisch, also klinik- oder operationspflichtig oder tödlich. Herzfrequenz, Schmerzstärke, Pulsqualität, Schleimhautfarbe und fehlende Darmgeräusche unterschieden dort kritische von unkritischen Fällen. Am häufigsten gefunden wurden Risikofaktoren rund um Futter- und Haltungswechsel, frühere Koliken und Krippensetzen.

29Primärquellen
10 %davon Stufe 1 bis 2
1untersuchte Arten
1997–2026Publikationsjahre

Das Wesentliche

  • Kolik benennt ein Symptom, keine Diagnose: dahinter stehen Gasansammlung, Verstopfung, Verlagerung, Einklemmung mit unterbrochener Blutversorgung oder Entzündung.
  • Von 822 auswertbaren Fällen aus 1'016 tierärztlichen Erstuntersuchungen waren 23,6 Prozent kritisch; in 941 Notdienstfällen 23,9 Prozent, und 18 Prozent dieser Pferde wurden eingeschläfert.
  • Herzfrequenz, Schmerzstärke, kapilläre Füllungszeit, Pulsqualität und fehlende Darmgeräusche unterschieden kritische von unkritischen Fällen bereits bei der ersten Untersuchung.
  • Am häufigsten gefundene Risikofaktoren: Futterwechsel, zunehmende Stallzeit, Transport in den letzten 24 Stunden, Krippensetzen und eine Kolik im vorangegangenen Jahr.
  • Zur Kolik existiert eine einzige systematische Übersichtsarbeit zu Risikofaktoren, und keiner der hier genannten Haltungs- oder Fütterungsfaktoren wurde bisher in einem randomisierten Versuch als Vorbeugung geprüft: die Evidenz ist beobachtend.

Kolik ist ein Schmerzsignal, keine einzelne Krankheit

Kolik beschreibt beim Pferd Schmerz im Bauchraum. Der Begriff nennt ein Symptom, keine Ursache. Dahinter können eine Gasansammlung, eine Verstopfung des Dickdarms, eine Verlagerung von Darmabschnitten, eine Einklemmung mit unterbrochener Blutversorgung oder eine Entzündung stehen. Eine Übersichtsarbeit von 2023 zur Epidemiologie der Kolik hält deshalb ausdrücklich fest, dass Kolik ein Syndrom aus mehreren Krankheitsprozessen ist und in seiner Entstehung multifaktoriell bleibt. Genau diese Vielfalt erklärt, warum dasselbe äussere Verhalten einmal folgenlos abklingt und einmal innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich wird.

Die Spannweite lässt sich beziffern. In einer prospektiven britischen Erhebung dokumentierten 167 Tierärztinnen und Tierärzte über dreizehn Monate 1'016 Erstuntersuchungen von Pferden mit Kolikzeichen. Von den 822 eindeutig zuordenbaren Fällen liessen sich 76,4 Prozent mit einer einfachen medizinischen Behandlung lösen. 23,6 Prozent waren kritisch: Sie brauchten eine intensive medizinische Behandlung oder eine Operation, starben oder wurden eingeschläfert.

Warum entscheidet die Zeit hier so stark?

Bei einer strangulierenden Läsion wird die Blutversorgung eines Darmabschnitts unterbrochen, und das Gewebe stirbt innerhalb von Stunden ab. In einer Auswertung von 896 Vollblutstuten mit chirurgisch behandelter Dickdarmverdrehung war die Dauer der Kolikzeichen vor der Klinikaufnahme eigenständig mit dem Überleben bis zur Entlassung verbunden. Der Median dieser Dauer lag dort bei zwei Stunden, 88 Prozent der Stuten überlebten. Diese Zahl gilt für eine sehr früh vorgestellte, gut betreute Population.

Warnzeichen: was tatsächlich beobachtet wird

Die berichteten Zeichen sind unspezifisch und überlappen stark zwischen harmlosen und schweren Verläufen. In einer britischen Untersuchung zur telefonischen Triage nannten die befragten Praxisteams Schwitzen und Festliegen am häufigsten als Hinweise auf einen kritischen Fall. Dieselbe Arbeit zeigte aber auch, wie uneinheitlich die telefonische Beratung ausfiel: Bewegung und Sicherheit der Halterin oder des Halters waren die am häufigsten angesprochenen Themen, und gerade dazu wurden widersprüchliche Auskünfte gegeben.

  • Scharren mit den Vorderhufen
  • wiederholter Blick zur Flanke
  • häufiges Hinlegen und Aufstehen
  • Wälzen, teils heftig
  • Schwitzen ohne vorangegangene Belastung
  • Futterverweigerung
  • ausbleibender oder veränderter Kotabsatz
  • gestreckte, angespannte Haltung
  • Festliegen und Teilnahmslosigkeit

Milde Zeichen schliessen einen schweren Verlauf nicht aus. In einer prospektiven Erhebung an 120 Dickdarmverstopfungen aus der Erstuntersuchung zeigten 67,5 Prozent der Pferde nur leichte Schmerzzeichen und 76 Prozent verminderte Darmgeräusche. Dennoch endeten 9,2 Prozent dieser Fälle kritisch, und 36,6 Prozent brauchten mehrere Behandlungen. Auffällig war die Verteilung über das Jahr: 42,1 Prozent traten im Winter auf, und 59 Prozent der Pferde hatten kurz zuvor einen Wechsel im Management erlebt.

Erkennen Halterinnen und Halter eine Kolik zuverlässig?

Nur teilweise: In einer Befragung von 1'564 Pferdehaltenden nannten 45 Prozent den normalen Ruhepuls korrekt, 45 Prozent die Atemfrequenz und 67 Prozent die Körpertemperatur richtig. In vorgelegten Fallbeispielen erkannten 49 Prozent sicher einen chirurgischen Fall, aber nur 9 Prozent eine Verstopfung. Einen Konsens darüber, ab welchem Verhalten die Praxis zu rufen ist, gab es nicht.

Der Notfallpunkt: welche Befunde kritische Fälle trennen

Aus derselben britischen Erhebung an 1'016 Erstuntersuchungen stammt das bislang klarste Bild. Fünf Merkmale blieben in der gemeinsamen Auswertung als voneinander unabhängige Hinweise auf einen kritischen Fall bestehen: die Höhe des Schmerzscores, die Herzfrequenz, eine kapilläre Füllungszeit über zweieinhalb Sekunden, ein schwacher Puls und fehlende Darmgeräusche in mindestens einem der vier Bauchquadranten.

Eine zweite britische Auswertung von 941 Kolikfällen aus dem Notdienst kam an einem anderen Datensatz zu ähnlichen Grössenordnungen: 23,9 Prozent der Fälle waren kritisch, 18 Prozent der Pferde wurden eingeschläfert. In der gemeinsamen Auswertung blieben eine erhöhte Herzfrequenz, das Alter des Pferdes und eine veränderte Schleimhautfarbe mit dem kritischen Ausgang verbunden. Gemeinsam ist beiden Auswertungen dabei nur die Herzfrequenz; die übrigen Merkmale unterscheiden sich zwischen den beiden Modellen. Dass zwei getrennte Datensätze aus der Primärversorgung auf einfache Kreislaufzeichen zeigen, gehört zu den belastbareren Beobachtungen dieses Feldes.

Befunde der tierärztlichen Erstuntersuchung, die in britischen Praxisdaten mit einem kritischen Verlauf einhergingen.
BefundBeobachteter ZusammenhangDatengrundlage
Erhöhte HerzfrequenzIn beiden Erhebungen unabhängig mit kritischem Ausgang verbunden1'016 Erstuntersuchungen und 941 Notdienstfälle
Höhe des SchmerzscoresJe höher der Score, desto häufiger kritisch1'016 Erstuntersuchungen
Kapilläre Füllungszeit über zweieinhalb SekundenMit kritischem Ausgang verbunden1'016 Erstuntersuchungen
Schwacher PulsMit kritischem Ausgang verbunden1'016 Erstuntersuchungen
Fehlende Darmgeräusche in mindestens einem QuadrantenMit kritischem Ausgang verbunden1'016 Erstuntersuchungen
Veränderte SchleimhautfarbeMit kritischem Ausgang verbunden941 Notdienstfälle
Höheres Alter des PferdesMit kritischem Ausgang verbunden941 Notdienstfälle

Wie häufig Kolik ist und wie oft sie tödlich endet

Die am häufigsten zitierte Häufigkeitszahl stammt aus einer einjährigen prospektiven Studie an 31 Pferdebetrieben mit 1'427 Pferden in Virginia und Maryland. Die rohe Inzidenz lag bei 10,6 Kolikfällen pro 100 Pferdejahren. Der Median der betriebsbezogenen Rate betrug 7 Fälle pro 100 Pferdejahren, die Spannweite zwischen den einzelnen Betrieben reichte von 0 bis 30. Drei Viertel der Episoden verliefen mild, 13 Prozent der Pferde hatten mehr als eine Episode im selben Jahr.

Dieselbe Studie liefert die Sterblichkeitszahlen. Auf 100 Pferdejahre kamen 0,7 Kolik-Todesfälle gegenüber 2,5 Todesfällen aus allen Ursachen zusammen. Anders gerechnet: 28 Prozent aller Todesfälle gingen auf Kolik zurück, ein höherer Anteil als bei jeder anderen einzelnen Ursache. Darin liegt die eigentliche Botschaft dieser Zahlen. Kolik ist meistens mild, und sie ist gleichzeitig der häufigste Einzelgrund, warum ein Pferd stirbt.

Im Notdienst dominiert Kolik das Fallaufkommen. In zwei britischen Praxen entfielen von 2'602 ausserhalb der regulären Sprechzeiten gesehenen Fällen 35 Prozent auf Kolik, vor Wunden mit 20 Prozent und Lahmheit mit 11 Prozent. 13 Prozent aller Notdienstfälle endeten mit einer Einschläferung.

Ein Kontextwert für den chirurgischen Weg stammt aus der weltweiten Erhebung CEPEF4 mit 47'396 Vollnarkosen aus 93 Zentren in 28 Ländern. Die Sterberate innerhalb von sieben Tagen lag bei 4,2 Prozent für Kolikeingriffe und bei 0,6 Prozent für Eingriffe ohne Kolik. Gegenüber der Vorgängererhebung von 2002 ist der Kolikwert von 7,8 auf 4,2 Prozent gesunken. Das ist ein Wert für das Narkoserisiko, keine Prognose für ein einzelnes Pferd.

Belegte Risikofaktoren und ihre Grenzen

2019 erschien die bislang einzige systematische Aufarbeitung der Risikofaktoren. Die Arbeitsgruppe sichtete 3'756 Publikationen, behielt 58 Studien und ordnete 22 Kategorien von Risikofaktoren drei Bereichen zu: Pferd, Management, Umgebung. Für den engeren systematischen Teil zu Managementwechseln blieben von 410 Publikationen 14 übrig, davon eine Kohortenstudie, acht Fall-Kontroll-Studien und fünf Querschnittsstudien, durchgeführt zwischen 1990 und 2008. Die grössten Evidenzblöcke betrafen Futterwechsel und einen kürzlichen Wechsel der Unterbringung.

Dieselbe Arbeit benennt die Schwäche des Feldes ungewöhnlich deutlich. 8 der 14 eingeschlossenen Studien erfüllten das methodische Kriterium zum Umgang mit Störgrössen nicht, und die verwendeten Methoden waren untereinander stark uneinheitlich. Die Faktoren sind also wiederholt gefunden worden, aber selten sauber von anderen Einflüssen getrennt. Wer sie liest, liest Zusammenhänge, keine nachgewiesenen Auslöser.

Wie stark ist der Futterwechsel belegt?

Er ist der am häufigsten gefundene Einzelfaktor: In der prospektiven Studie an 31 Betrieben ging ein Wechsel der Kraftfuttergabe innerhalb eines Jahres mit einer rund dreieinhalbfach erhöhten Chance auf Kolik einher, mehr als ein Heuwechsel im selben Jahr mit einer etwa doppelten. Auch die Menge zählte: über fünf Kilogramm Kraftfutter Trockenmasse täglich waren mit einer rund sechsfach erhöhten Chance verbunden.

Stallzeit und Routinebruch tauchen ebenso wiederholt auf. Eine britische Fall-Kontroll-Studie zur einfachen Dickdarmobstruktion fand Krippensetzen, zunehmende Stallstunden, eine kürzliche Änderung des Bewegungsprogramms, fehlende Wurmbehandlung mit Ivermectin oder Moxidectin in den vorangegangenen zwölf Monaten und einen Transport innerhalb der letzten 24 Stunden als verbundene Faktoren. Am stärksten wogen dort Dauerstallhaltung, Krippensetzen und der kürzliche Transport.

Für eine bestimmte, sehr schwere Form ist der Zusammenhang mit Krippensetzen besonders auffällig: die Einklemmung von Dünndarm im epiploischen Foramen, einer engen natürlichen Öffnung im Oberbauch. In einer internationalen Fall-Kontroll-Studie mit 109 betroffenen und 310 Vergleichspferden lag die Chance bei krippensetzenden Pferden in der Punktschätzung rund 67-fach höher; wegen der kleinen Fallzahl bleibt dieser Wert allerdings sehr unscharf. Eine britische Parallelstudie mit 77 Fällen und 216 Vergleichspferden bestätigte die Richtung und fand zusätzlich mehr Stallzeit in den vorangegangenen 28 Tagen sowie eine Kolik im letzten Jahr.

Eine frühere Kolik ist überhaupt der stabilste Einzelbefund des Feldes. Sie erhöhte die Chance auf eine erneute Episode in der amerikanischen Kohortenstudie um etwa das Dreieinhalbfache und in der internationalen Fall-Kontroll-Studie zur Einklemmung um etwa das Vierfache. Ob dahinter eine bleibende anatomische oder funktionelle Eigenheit des einzelnen Pferdes steckt oder schlicht ein Betrieb mit erhöhtem Grundrisiko, ist offen.

Neuere Arbeiten erweitern das Bild. Eine internationale Fall-Kontroll-Studie von 2025 zur Einklemmung durch gestielte Fettgeschwulste verglich 55 betroffene mit 167 Vergleichspferden. Neben höherem Alter und bestimmten Rassen traten zwei bisher unbekannte Faktoren hervor: eine frühere Hufrehe und mehr Stallzeit in den vier Wochen davor. Massnahmen zum Gewichtsmanagement waren mit einem geringeren Risiko verbunden. Es handelt sich um eine einzelne Studie mit weiten Unsicherheitsbereichen.

Parasiten: derselbe Verdacht, widersprüchliche Daten

Der Bandwurm Anoplocephala perfoliata sitzt am Übergang vom Dünn- zum Dickdarm und gilt seit Langem als Kolikfaktor. Eine schwedische Fall-Kontroll-Studie mit je 67 Pferden fand bei nachgewiesenen Bandwurmeiern im Kot eine rund sechzehnfach höhere Chance auf Kolik. Bemerkenswert ist der zweite Teil desselben Ergebnisses: Über die Blutuntersuchung liess sich derselbe Zusammenhang nicht zeigen.

Eine deutsche Fall-Kontroll-Studie an 620 Klinikpferden kam zu einem anderen Schluss. Weder die Antikörperlage gegen den Bandwurm noch gegen den grossen Palisadenwurm hing mit dem Kolikstatus zusammen. Dafür fiel etwas anderes auf: Pferde, die in der Woche zuvor entwurmt worden waren, zeigten eine rund 2,4-fach höhere Chance auf Kolikzeichen als Pferde, deren Behandlung mindestens acht Wochen zurücklag. Ponys waren seltener betroffen als Warmblüter.

Der Widerspruch ist erklärbar, aber nicht aufgelöst. Die Studien messen unterschiedlich: Eizählung im Kot, Antikörper im Blut, Erbgutnachweis. Sie untersuchen unterschiedliche Populationen, und die Entwurmungspraxis selbst verändert beide Seiten der Rechnung. Aus einer Verbindung folgt hier keine Ursache, und aus keiner dieser Studien folgt ein Entwurmungsplan.

Dass Parasiten kein historisches Thema sind, zeigt eine Sektionsserie aus Alberta. Unter 510 zwischen 2010 und 2022 untersuchten Pferden wiesen 17,3 Prozent Veränderungen der vorderen Gekrösearterie auf, 6,1 Prozent eine aktive Entzündung durch wandernde Larven des grossen Palisadenwurms, und in 1,5 Prozent aller Fälle war dies die Todes- oder Einschläferungsursache.

Prognose: was die Klinikzahlen hergeben

In einer südafrikanischen Universitätsklinik überlebten von 375 behandelten Kolikpferden der Jahre 2019 bis 2021 insgesamt 88 Prozent bis zur Entlassung: 91 Prozent der medizinisch und 77 Prozent der chirurgisch behandelten. Läsionen am Dünndarm hatten eine schlechtere Prognose als Läsionen am Dickdarm.

Für die Zeit nach der Entlassung liegt eine italienische Nachverfolgung über mindestens vier Jahre vor. Von 244 operierten Pferden wurden 203 entlassen und 176 nachverfolgt. Nach der Entlassung traten bei 44,8 Prozent Komplikationen auf, am häufigsten eine erneute Kolik. Je höher der Komplikationsscore vor der Entlassung ausfiel, desto geringer war das Langzeitüberleben. Insgesamt bezeichnen die Autoren das Langzeitüberleben als günstig.

Bei einer bestimmten Verlagerung, der Einklemmung zwischen Niere und Milz, hat eine Metaanalyse von 19 Studien geprüft, ob die Behandlungswahl das Überleben verändert. Weder die Entscheidung zwischen medizinischem und chirurgischem Vorgehen noch Rollen gegenüber Traben noch der Einsatz von Phenylephrin veränderte die Überlebenswahrscheinlichkeit statistisch bedeutsam. Da keine randomisierten Studien vorlagen, ist dieses Ergebnis mit Vorsicht zu lesen; die Fallauswahl bleibt entscheidend.

Für Dünndarmoperationen sichtete eine Übersichtsarbeit von 2024 insgesamt 3'024 Publikationen. 104 erfüllten die Einschlusskriterien, aber nur 42 berichteten Technik und Ergebnis genau genug für eine Auswertung. Über alle beschriebenen Verbindungstechniken lagen die kurz- und langfristigen Überlebensraten durchgehend über 70 Prozent. Die Autoren stufen die Qualität dieser Evidenz ausdrücklich als niedrig ein und fordern besser strukturierte Studien, bevor Techniken miteinander verglichen werden.

Vorbeugung: was gestützt ist und was offen bleibt

Aus Beobachtungsdaten folgt kein Beweis, aber eine klare Richtung. Was wiederholt mit Kolik verbunden war, sind Brüche in der Routine: Wechsel des Kraftfutters, Wechsel des Heus, plötzlich mehr Stallzeit, ein Transport, eine Änderung des Bewegungsprogramms. Keine dieser Verbindungen wurde bislang in einem kontrollierten Versuch als Vorbeugungsmassnahme geprüft. Der Schluss, dass langsamere Wechsel die Kolikrate senken, ist plausibel und unbelegt zugleich.

Zur Haltung gibt es einen Hinweis aus Schweden. In einer neunmonatigen Feldstudie mit 66 Pferden auf demselben Betrieb lag die Kolikhäufigkeit bei 0 Prozent im Bewegungsstall gegenüber 5 Prozent in Einzelboxen; Lahmheiten waren mit 18 gegenüber 26 Prozent ebenfalls seltener. Dafür hatten die Pferde im Bewegungsstall häufiger Wunden aus Auseinandersetzungen, ohne dass mehr Trainingstage ausfielen. Ein Betrieb, eine Gelegenheitsstichprobe, kein Wechsel zwischen den Systemen: hypothesengenerierend, nicht beweisend.

Der zweite Hebel liegt nicht beim Pferd, sondern beim Menschen. Eine Befragung von 701 Pferdehaltenden zeigte, dass die meisten entweder gar nicht vorhatten, einen Notfallplan für Kolik anzulegen, oder ihr bisheriges Vorgehen bereits für ausreichend hielten. Wer die britische Aufklärungskampagne REACT kannte, setzte vorbeugende Empfehlungen häufiger um. Eine Befragung von 1'544 Pferdehaltenden ergänzte dies: 58 Prozent wussten nicht, wie schnell irreversible Darmschäden entstehen können, und das blosse Bereitstellen belegter Information änderte die Entscheidungen kaum.

Evidenzkarte der Kolik-Risikofaktoren: Design, Richtung und Grenze des Schlusses

Eigene Auswertung

Für jeden Faktor wurde das methodisch stärkste in dieser Recherche gefundene Studiendesign eingetragen, dazu die berichtete Richtung, die Beeinflussbarkeit im Stallalltag und in der letzten Spalte der Schluss, der aus diesem Design gerade nicht folgt.
FaktorBestes gefundenes DesignBerichtete RichtungIm Alltag beeinflussbarWas daraus nicht folgt
Wechsel des KraftfuttersProspektive Kohorte, in systematischer Übersicht grösster EvidenzblockRisiko erhöhtJaDass ein langsamer Wechsel das Risiko nachweislich senkt
Wechsel des HeusProspektive KohorteRisiko erhöhtJaDass die Heusorte selbst die Ursache ist
Zunehmende Stallzeit, weniger WeideMehrere Fall-Kontroll-StudienRisiko erhöhtTeilweiseDass Weidegang allein schützt
Krippensetzen und KoppenMehrere Fall-Kontroll-StudienRisiko stark erhöht, besonders für die Einklemmung im epiploischen ForamenKaumDass ein Unterbinden des Verhaltens das Risiko senkt
Kolik in den letzten zwölf MonatenKohorte und Fall-Kontroll-StudienRisiko erhöhtNeinDass die frühere Kolik die neue verursacht
Transport in den letzten 24 StundenFall-Kontroll-StudieRisiko erhöhtJaDass Dauer oder Art des Transports den Ausschlag geben
BandwurmbefallFall-Kontroll-Studien mit gegenläufigem ErgebnisUneinheitlichJaDass Entwurmung auf Verdacht das Kolikrisiko senkt
Entwurmung in der VorwocheFall-Kontroll-StudieKolikzeichen häufigerJaDass die Behandlung selbst die Kolik auslöst
Frühere HufreheEinzelne Fall-Kontroll-Studie von 2025Risiko für Fettgeschwulst-Einklemmung erhöhtTeilweiseDass Vorbeugung der Hufrehe Koliken verhindert
ZahnerkrankungenQuerschnittsstudien in ArbeitspferdepopulationenRisiko erhöhtJaDass sich die Ergebnisse auf europäische Freizeitpferde übertragen lassen
Eingeschränkter WasserzugangEinzelne Querschnittsstudie ohne mehrfaktorielle AuswertungRisiko erhöhtJaDass der Zusammenhang von anderen Haltungsmängeln getrennt ist

Grenzen und Unsicherheiten

  • Zur Kolik existiert eine einzige systematische Übersichtsarbeit zu Risikofaktoren, und keiner der hier genannten Haltungs- oder Fütterungsfaktoren wurde bisher in einem randomisierten Versuch als Vorbeugung geprüft. Die redaktionelle Vorgabe, mindestens die Hälfte der Quellen auf der Ebene systematische Übersicht, Metaanalyse oder randomisierter Versuch abzustützen, ist in diesem Feld derzeit nicht erfüllbar: nur drei der hier verwendeten Arbeiten erreichen diese Ebene, der Rest sind Kohorten-, Fall-Kontroll- und Querschnittsstudien.
  • 8 der 14 in die systematische Übersicht eingeschlossenen Studien erfüllten das methodische Kriterium zum Umgang mit Störgrössen nicht, und die Methoden waren untereinander stark uneinheitlich. Die berichteten Grössenordnungen sind daher Hinweise auf Zusammenhänge, keine sauberen Risikoschätzungen.
  • Die grundlegende Inzidenzstudie stammt von 1997. Fütterung, Haltung und Entwurmungspraxis haben sich seither verändert; rund elf Fälle pro 100 Pferdejahren beschreiben eine Grössenordnung, keinen aktuellen Messwert.
  • Die Häufigkeits- und Ausgangszahlen stammen überwiegend aus Grossbritannien und den USA. Vergleichbare populationsbezogene Kolikzahlen für die Schweiz waren in dieser Recherche nicht auffindbar.
  • Überlebenszahlen aus Kliniken unterliegen einer Auswahl: Pferde, die gar nicht erst überwiesen werden, fehlen darin. Aus 88 Prozent Überleben bis zur Entlassung folgt keine Überlebenswahrscheinlichkeit für ein beliebiges Pferd mit Kolikzeichen.
  • Mehrere Risikofaktor-Studien stammen aus Arbeitspferdepopulationen in Ägypten und Indonesien mit deutlich anderen Haltungs-, Futter- und Versorgungsbedingungen. Ihre Ergebnisse sind für mitteleuropäische Freizeit- und Sportpferde nur eingeschränkt aussagekräftig.

Offene Fragen

  • Senkt ein schrittweiser Futterwechsel das Kolikrisiko messbar, oder ist der Wechsel vor allem ein Marker für Betriebe mit unruhiger Routine?
  • Warum ist Krippensetzen so eng mit der Einklemmung im epiploischen Foramen verbunden, und verändert sich das Risiko, wenn sich das Verhalten ändert?
  • Unterscheiden sich Pferde mit wiederkehrender Kolik dauerhaft in ihrer Darmflora von anderen, oder ist der beobachtete Unterschied eine Folge der Episoden?
  • Lässt sich der Widerspruch zwischen Kotuntersuchung und Bluttest beim Bandwurm durch bessere Diagnostik auflösen, oder messen beide schlicht verschiedene Dinge?

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass es wirklich dringend ist?

Verlässlich erkennen lässt sich das ohne Untersuchung nicht, und genau das ist die wichtigste Erkenntnis der Studien. In britischen Praxisdaten trennten Herzfrequenz, Schmerzstärke, Pulsqualität, Schleimhautfarbe und fehlende Darmgeräusche kritische von unkritischen Fällen, alles Befunde aus der tierärztlichen Erstuntersuchung. Milde Zeichen schliessen nichts aus: Bei 120 Dickdarmverstopfungen zeigten zwei Drittel nur leichte Schmerzzeichen, und knapp jeder zehnte Fall endete trotzdem kritisch. Praktisch heisst das: beobachten, notieren, was sich verändert, und im Zweifel früh in der Praxis anrufen.

Darf ich mein Pferd bei Kolik führen, oder soll es ruhig stehen?

Für diese Frage gibt es keinen belegten Standard. Eine britische Untersuchung zur telefonischen Triage fand bei Bewegung und Sicherheit die am häufigsten angesprochenen Themen und zugleich widersprüchliche Auskünfte: Halterinnen und Halter erhielten je nach Praxis unterschiedliche Ratschläge. Die Studie führte deshalb zur Entwicklung eigener Entscheidungshilfen für Praxisteams. Was daraus folgt, ist keine allgemeine Regel, sondern eine Empfehlung zum Vorgehen: Diese Frage gehört im konkreten Fall an die betreuende Praxis, am besten schon im ersten Telefonat.

Hat mein Pferd nach einer Kolik ein höheres Risiko für die nächste?

Ja, das ist der stabilste Befund des ganzen Feldes. In einer amerikanischen Kohortenstudie war eine frühere Kolik mit einer rund dreieinhalbfach erhöhten Chance auf eine weitere verbunden, in einer internationalen Fall-Kontroll-Studie zur Dünndarmeinklemmung mit einer etwa vierfachen. In derselben Kohorte hatten 13 Prozent der betroffenen Pferde mehr als eine Episode im Jahr. Nach einer Operation traten bei 44,8 Prozent der entlassenen Pferde später Komplikationen auf, am häufigsten erneute Kolik. Ursache und Marker lassen sich dabei nicht trennen.

Wie oft endet eine Kolik tödlich?

Die meisten Episoden verlaufen mild. In der einjährigen Farmstudie waren drei Viertel der Fälle mit höchstens einer Behandlung erledigt. In der tierärztlichen Erstuntersuchung waren 23,6 Prozent kritisch, im britischen Notdienst 23,9 Prozent, wobei dort 18 Prozent der Pferde eingeschläfert wurden. Über alle Todesursachen hinweg entfielen in der Farmstudie 28 Prozent aller Todesfälle auf Kolik, mehr als auf jede andere einzelne Ursache. Kolik ist also meistens harmlos und trotzdem der häufigste Grund, warum ein Pferd stirbt.

Ist regelmässiges Entwurmen eine Kolikvorbeugung?

Die Datenlage ist widersprüchlich. Eine schwedische Fall-Kontroll-Studie fand bei Bandwurmeiern im Kot eine rund sechzehnfach höhere Chance auf Kolik, eine deutsche Studie an 620 Klinikpferden dagegen keinen Zusammenhang zwischen Antikörperlage und Kolikstatus. In derselben deutschen Studie zeigten Pferde, die in der Woche zuvor entwurmt worden waren, häufiger Kolikzeichen als solche mit länger zurückliegender Behandlung. Eine britische Studie fand umgekehrt fehlende Wurmbehandlung als Risikofaktor. Ein Entwurmungsplan gehört deshalb in die Praxis, gestützt auf Diagnostik statt auf Kalender.

Ist ein Offenstall besser als eine Box?

Ein Hinweis, kein Beweis. In einer schwedischen Feldstudie mit 66 Pferden über neun Monate trat auf demselben Betrieb im Bewegungsstall keine Kolik auf, in Einzelboxen bei 5 Prozent der Pferde; Lahmheiten waren mit 18 gegenüber 26 Prozent ebenfalls seltener. Dafür gab es im Bewegungsstall mehr Wunden aus Rangeleien, ohne mehr Trainingsausfall. Ein einziger Betrieb, eine Gelegenheitsstichprobe und kein Wechsel zwischen den Systemen: Das Ergebnis passt zu den Fall-Kontroll-Daten zur Stallzeit, ersetzt sie aber nicht.

Quellen

  1. Curtis L, Burford JH, England GCW, Freeman SL. Risk factors for acute abdominal pain (colic) in the adult horse: A scoping review of risk factors, and a systematic review of the effect of management-related changes. PLoS One, 2019 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.1371/journal.pone.0219307
    Aus 3'756 gesichteten Publikationen blieben 58 Studien mit 22 Risikofaktor-Kategorien; im systematischen Teil zu Managementwechseln erfüllten 8 von 14 Studien das Kriterium zum Umgang mit Störgrössen nicht, wobei Futterwechsel und kürzlicher Unterbringungswechsel die grössten Evidenzblöcke bildeten.
  2. Curtis L, Burford JH, Thomas JSM, Curran ML, Bayes TC, England GCW, Freeman SL. Prospective study of the primary evaluation of 1016 horses with clinical signs of abdominal pain by veterinary practitioners, and the differentiation of critical and non-critical cases. Acta Veterinaria Scandinavica, 2015 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1186/s13028-015-0160-9
    Von 822 zuordenbaren Erstuntersuchungen waren 23,6 Prozent kritisch, und Schmerzscore, Herzfrequenz, kapilläre Füllungszeit über zweieinhalb Sekunden, schwacher Puls sowie fehlende Darmgeräusche in mindestens einem Quadranten blieben unabhängig damit verbunden.
  3. Bowden A, England GCW, Brennan ML, Mair TS, Furness WA, Freeman SL, Burford JH. Indicators of 'critical' outcomes in 941 horses seen 'out-of-hours' for colic. Veterinary Record, 2020 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1136/vr.105881
    In 941 Notdienstfällen waren 23,9 Prozent kritisch und 18 Prozent der Pferde wurden eingeschläfert; erhöhte Herzfrequenz, Alter und veränderte Schleimhautfarbe blieben in der gemeinsamen Auswertung mit dem kritischen Ausgang verbunden.
  4. Bowden A, Boynova P, Brennan ML, England GCW, Mair TS, Furness WA, Freeman SL, Burford JH. Retrospective case series to identify the most common conditions seen 'out-of-hours' by first-opinion equine veterinary practitioners. Veterinary Record, 2020 (Fallserie | Pferd)DOI 10.1136/vr.105880
    Von 2'602 Notdienstfällen zweier britischer Praxen entfielen 35 Prozent auf Kolik, 20 Prozent auf Wunden und 11 Prozent auf Lahmheit, und 13 Prozent aller Fälle endeten mit einer Einschläferung.
  5. Bowden A, Burford JH, Brennan ML, England GCW, Freeman SL. Horse owners' knowledge, and opinions on recognising colic in the horse. Equine Veterinary Journal, 2019 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/evj.13173
    Von 1'564 befragten Pferdehaltenden nannten nur 45 Prozent den normalen Ruhepuls korrekt, und in Fallbeispielen erkannten 49 Prozent sicher einen chirurgischen Fall, aber nur 9 Prozent eine Verstopfung.
  6. Tinker MK, White NA, Lessard P, Thatcher CD, Pelzer KD, Davis B, Carmel DK. Prospective study of equine colic incidence and mortality. Equine Veterinary Journal, 1997 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1111/j.2042-3306.1997.tb03157.x
    Über ein Jahr an 31 Betrieben mit 1'427 Pferden lag die rohe Inzidenz bei 10,6 Kolikfällen pro 100 Pferdejahren, drei Viertel der Episoden waren mild, und 28 Prozent aller Todesfälle gingen auf Kolik zurück, mehr als auf jede andere Einzelursache.
  7. Tinker MK, White NA, Lessard P, Thatcher CD, Pelzer KD, Davis B, Carmel DK. Prospective study of equine colic risk factors. Equine Veterinary Journal, 1997 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1111/j.2042-3306.1997.tb03158.x
    In derselben Kohorte waren eine frühere Kolik, Wechsel der Kraftfutter- und Heugabe sowie hohe Kraftfuttermengen mit deutlich erhöhter Kolikchance verbunden, während Betriebsmerkmale keinen eigenständigen Beitrag lieferten.
  8. Hillyer MH, Taylor FGR, Proudman CJ, Edwards GB, Smith JE, French NP. Case control study to identify risk factors for simple colonic obstruction and distension colic in horses. Equine Veterinary Journal, 2002 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.2746/042516402776117746
    Krippensetzen, zunehmende Stallstunden, kürzliche Änderung des Bewegungsprogramms, fehlende Ivermectin- oder Moxidectin-Behandlung im Vorjahr und Transport in den letzten 24 Stunden waren mit einfacher Dickdarmobstruktion verbunden, am stärksten Dauerstallhaltung, Krippensetzen und Transport.
  9. Archer DC, Pinchbeck GK, French NP, Proudman CJ. Risk factors for epiploic foramen entrapment colic: an international study. Equine Veterinary Journal, 2008 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.2746/042516408X266079
    Bei 109 Fällen und 310 Vergleichspferden war Krippensetzen mit Abstand der stärkste Faktor für die Einklemmung im epiploischen Foramen, gefolgt von einer Kolik im Vorjahr und grösserer Körperhöhe, wobei die Schätzungen weite Unsicherheitsbereiche haben.
  10. Archer DC, Pinchbeck GL, French NP, Proudman CJ. Risk factors for epiploic foramen entrapment colic in a UK horse population: a prospective case-control study. Equine Veterinary Journal, 2008 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.2746/042516408X312149
    Die britische Parallelstudie mit 77 Fällen und 216 Vergleichspferden bestätigte Krippensetzen als stärksten Faktor und fand zusätzlich eine Kolik im Vorjahr, mehr Stallzeit in den vorangegangenen 28 Tagen und grössere Körperhöhe als risikoerhöhend.
  11. Gillen A, Hassel D, Gonzalez S, Savage V, Bauck A, Freeman D, Archer DC. Risk factors for equine strangulating lipoma colic: An international, case-control study. Equine Veterinary Journal, 2025 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.1111/evj.70104
    Bei 55 Fällen und 167 Vergleichspferden erhöhten Alter, bestimmte Rassen, eine frühere Hufrehe und mehr Stallzeit in den vier Wochen davor das Risiko einer Einklemmung durch gestielte Fettgeschwulst, während Gewichtsmanagement damit seltener einherging.
  12. Back H, Nyman A, Osterman Lind E. The association between Anoplocephala perfoliata and colic in Swedish horses: a case control study. Veterinary Parasitology, 2013 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.1016/j.vetpar.2013.07.020
    Bei je 67 Pferden ging der Nachweis von Bandwurmeiern im Kot mit einer rund sechzehnfach höheren Kolikchance einher, während sich über die Antikörperbestimmung im Blut kein Zusammenhang zeigen liess.
  13. Gehlen H, Wulke N, Ertelt A, Nielsen MK, Morelli S, Traversa D, Merle R, Wilson D, von Samson-Himmelstjerna G. Comparative Analysis of Intestinal Helminth Infections in Colic and Non-Colic Control Equine Patients. Animals, 2020 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.3390/ani10101916
    An 620 überwiegend erwachsenen Klinikpferden bestand kein Zusammenhang zwischen Bandwurm- oder Palisadenwurm-Antikörpern und Kolikstatus, dafür hatten in der Vorwoche entwurmte Pferde eine rund 2,4-fach höhere Chance auf Kolikzeichen als Pferde mit mindestens acht Wochen zurückliegender Behandlung.
  14. Domshy KA, Whitehead AE, Poissant J, Goldsmith DA, Legge C, Knight CG, Zachar EK, Loch SS, Davies JL. A retrospective study of the prevalence in equine postmortems of cranial mesenteric arteritis caused by Strongylus vulgaris in Alberta (2010 to 2022). Canadian Veterinary Journal, 2024 (Querschnittstudie | Pferd)PMID 38827589
    Unter 510 sezierten Pferden wiesen 17,3 Prozent Veränderungen der vorderen Gekrösearterie und 6,1 Prozent eine aktive Larvenarteriitis auf, in 1,5 Prozent war dies die Todes- oder Einschläferungsursache: der grosse Palisadenwurm ist damit kein historisches Problem.
  15. Little D, Blikslager AT. Factors associated with development of ileal impaction in horses with surgical colic: 78 cases (1986-2000). Equine Veterinary Journal, 2002 (Fall-Kontroll-Studie | Pferd)DOI 10.2746/042516402776117773
    Bei 78 chirurgisch bestätigten Ileumverstopfungen gegenüber 100 anderen Kolikfällen waren die Fütterung von Coastal-Bermuda-Heu und das Ausbleiben einer Pyrantel-Behandlung innerhalb von drei Monaten je mit rund dreifach erhöhtem Risiko verbunden.
  16. Hackett ES, Embertson RM, Hopper SA, Woodie JB, Ruggles AJ. Duration of disease influences survival to discharge of Thoroughbred mares with surgically treated large colon volvulus. Equine Veterinary Journal, 2014 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1111/evj.12358
    Bei 896 Vollblutstuten mit chirurgisch behandelter Dickdarmverdrehung überlebten 88 Prozent bis zur Entlassung, und die Dauer der Kolikzeichen vor der Aufnahme war eigenständig mit dem Überleben verbunden, bei einem Median dieser Dauer von zwei Stunden.
  17. Jennings K, Curtis L, Burford J, Freeman S. Prospective survey of veterinary practitioners' primary assessment of equine colic: clinical features, diagnoses, and treatment of 120 cases of large colon impaction. BMC Veterinary Research, 2014 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1186/1746-6148-10-S1-S2
    Von 120 Dickdarmverstopfungen aus der Erstuntersuchung zeigten 67,5 Prozent nur milde Schmerzzeichen, dennoch endeten 9,2 Prozent kritisch; Herzfrequenz und Darmgeräusche unterschieden einfache von kritischen Fällen am besten.
  18. van der Merwe LM, Schliewert EC. Equine colic outcomes and prognostic factors at a South African academic hospital (2019-2021). Journal of the South African Veterinary Association, 2025 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.36303/JSAVA.672
    Von 375 behandelten Kolikpferden überlebten 88 Prozent bis zur Entlassung, 91 Prozent der medizinisch und 77 Prozent der chirurgisch behandelten, wobei Dünndarmläsionen eine schlechtere Prognose hatten als Dickdarmläsionen.
  19. Gandini M, Giusto G. Evaluation of long-term postoperative morbidity and survival after equine colic surgery using a complication severity classification. Veterinary Record, 2026 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1002/vetr.70174
    Von 244 operierten Pferden wurden 203 entlassen und 176 über mindestens vier Jahre verfolgt: 44,8 Prozent entwickelten nach der Entlassung Komplikationen, am häufigsten erneute Kolik, und ein höherer Komplikationsscore vor Entlassung ging mit geringerem Langzeitüberleben einher.
  20. Gillen A, Kottwitz J, Munsterman A. Meta-analysis of the Effect of Treatment Strategies for Nephrosplenic Entrapment of the Large Colon. Journal of Equine Veterinary Science, 2020 (Meta-Analyse | Pferd)DOI 10.1016/j.jevs.2020.103169
    In 19 zusammengefassten Studien veränderte weder die Wahl zwischen medizinischem und chirurgischem Vorgehen noch Rollen gegenüber Traben noch Phenylephrin die Überlebenswahrscheinlichkeit statistisch bedeutsam, wobei das Fehlen randomisierter Studien zur Vorsicht mahnt.
  21. Giusto G, Cerullo A, Gandini M. Anastomotic techniques for small intestinal obstruction in horses. A scoping review. Equine Veterinary Journal, 2024 (Systematische Übersichtsarbeit | Pferd)DOI 10.1111/evj.14076
    Von 3'024 gesichteten Publikationen erfüllten 104 die Kriterien und nur 42 berichteten Technik und Ergebnis auswertbar; über alle Verbindungstechniken lagen die Überlebensraten über 70 Prozent, die Evidenzqualität stufen die Autoren jedoch als niedrig ein.
  22. Gozalo-Marcilla M, Redondo JI, Bettschart-Wolfensberger R, Domenech L, Doménech J, Johnston GM, Taylor PM. The Confidential Enquiry into Perioperative Equine Fatalities: phase 4 (CEPEF4) - a worldwide observational, prospective, multicentre cohort study in 2025. Veterinary Anaesthesia and Analgesia, 2025 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1016/j.vaa.2025.06.005
    Bei 47'396 Vollnarkosen aus 93 Zentren in 28 Ländern lag die Sterberate binnen sieben Tagen bei 4,2 Prozent für Kolikeingriffe gegenüber 0,6 Prozent ohne Kolik, gegenüber 7,8 Prozent in der Vorgängererhebung von 2002.
  23. Kjellberg L, Dahlborn K, Roepstorff L, Morgan K. Frequency and nature of health issues among horses housed in an active open barn compared to single boxes: A field study. Equine Veterinary Journal, 2024 (Kohortenstudie | Pferd)DOI 10.1111/evj.14054
    In einer neunmonatigen Feldstudie mit 66 Pferden auf einem Betrieb lagen Kolik- und Lahmheitshäufigkeit im Bewegungsstall niedriger als in Einzelboxen (0 gegenüber 5 Prozent bzw. 18 gegenüber 26 Prozent), dafür traten mehr Wunden auf, ohne mehr Trainingsausfall.
  24. Lightfoot KL, Burford JH, England GCW, Bowen IM, Freeman SL. Mixed methods investigation of the use of telephone triage within UK veterinary practices for horses with abdominal pain: A Participatory action research study. PLoS One, 2020 (Andere | Pferd)DOI 10.1371/journal.pone.0238874
    Die telefonische Beratung bei Kolik variierte zwischen Praxen erheblich, am häufigsten bei Bewegung und Sicherheit, und Praxisteams nannten Schwitzen und Festliegen als wichtigste telefonisch erkennbare Zeichen kritischer Fälle.
  25. Lightfoot KL, Frost E, Burford JH, England GCW, Freeman SL. Use of human behaviour change models to investigate horse owner intention to adopt emergency colic recommendations. Equine Veterinary Journal, 2023 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/evj.13955
    Von 701 befragten Pferdehaltenden hatten die meisten entweder keine Absicht, einen Kolik-Notfallplan anzulegen, oder setzten die Empfehlungen bereits um; Kenntnis der REACT-Kampagne ging mit häufigerer Umsetzung vorbeugender Empfehlungen einher.
  26. Burrell KL, England GCW, Burford JH, Freeman SL. Impact of evidence-based information on horse owners' misconceptions of colic. Equine Veterinary Journal, 2026 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1002/evj.70170
    Unter 1'544 befragten Pferdehaltenden wussten 58 Prozent nicht, wie schnell irreversible Darmschäden entstehen können, und das Bereitstellen belegter Information veränderte die Entscheidungen nur begrenzt.
  27. Salem SE, Scantlebury CE, Ezzat E, Abdelaal AM, Archer DC. Colic in a working horse population in Egypt: Prevalence and risk factors. Equine Veterinary Journal, 2016 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.1111/evj.12573
    In einer Befragung zu 350 ägyptischen Arbeitspferden lag die Zwölfmonatsprävalenz von Kolik bei 54,6 Prozent, und schwere Zahnerkrankungen, Stereotypien sowie bestimmte Futtermittel waren mit einer Kolikvorgeschichte verbunden.
  28. Fikri F, Hendrawan D, Wicaksono AP, Purnomo A, Khairani S, Chhetri S, Maslamama ST, Purnama MTE. Incidence, risk factors, and therapeutic management of equine colic in Lamongan, Indonesia. Veterinary World, 2023 (Querschnittstudie | Pferd)DOI 10.14202/vetworld.2023.1408-1414
    Bei 217 Kolikfällen unter 256 untersuchten indonesischen Arbeitspferden waren eingeschränkter täglicher Wasserzugang, fehlende Entwurmung, Parasitenbefall, schlechter Ernährungszustand und Zahnprobleme mit Kolik verbunden, allerdings nur in Einzelvergleichen ohne mehrfaktorielle Auswertung.
  29. Gillen A, Archer DC. Epidemiology of Colic: Current Knowledge and Future Directions. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice, 2023 (Andere | Pferd)DOI 10.1016/j.cveq.2023.03.005
    Erzählende Übersichtsarbeit zur Epidemiologie der Kolik: Sie hält fest, dass Kolik keine einzelne Krankheit ist, sondern ein Syndrom aus Bauchschmerz mit mehreren zugrunde liegenden Krankheitsprozessen und multifaktorieller Entstehung, und ordnet Vorbeugung, Diagnostik und Forschungslücken ein.

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